China dringt in Taiwans Sperrzone vor

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Stand: 12.06.2026, 16:34 Uhr

Von: Sven Hauberg

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Taiwans Militär zeigt sich Anfang Juni bei Übungen mit maritimen Zielen.

Taiwans Militär zeigt sich Anfang Juni bei Übungen mit maritimen Zielen. © MNA

Erstmals sind zwei chinesische Schiffe in die Sperrzone rund um die taiwanische Insel Taiping im Südchinesischen Meer eingedrungen. Peking verschärft seine Drohkulisse.

Die Bilder, die am Dienstag im taiwanischen Fernsehen zu sehen waren, wirkten surreal: An mehreren Westküsten-Stränden des Landes feuerte das Militär Raketen und Artilleriegeschosse ins Meer, während sich im Hintergrund Windräder stoisch drehten und Autos unbeeindruckt über Schnellstraßen fuhren. All das war Teil einer Übung, mit der die Streitkräfte die Reaktion auf einen chinesischen Angriff probten. China betrachtet Taiwan als abtrünnige Provinz und droht damit, die demokratisch regierte Insel auch mit Gewalt wieder unter seine Kontrolle zu bringen.

Die Übungen fänden unter „realistischen Kampfbedingungen“ statt, zitierten Medien einen Kommandanten am Rande der Manöver. Doch während Taiwan sich auf einen möglichen Großangriff Chinas über die Taiwanstraße hinweg vorbereitet, scheint Peking in dem Konflikt eine zweite Front aufzumachen, hunderte Kilometer von den Stränden der taiwanischen Hauptinsel entfernt, im Südchinesischen Meer.

Am Mittwoch drangen laut Taiwans Küstenwache erstmals zwei chinesische Schiffe in die „Sperrzone“ rund um die von Taipeh verwaltete Insel Taiping im Südchinesischen Meer ein. Der Vorfall habe 15 Minuten gedauert, anschließend habe die Küstenwache die Schiffe vertrieben, hieß es aus Taipeh.

Taiping ist Teil der Spratly-Inseln, auf die neben China und Taiwan auch die Philippinen und Vietnam ganz oder teilweise Ansprüche erheben. Das etwa 46 Hektar kleine Inselchen liegt rund 1500 Kilometer Luftlinie von der taiwanischen Hauptinsel entfernt, verfügt über einen Flughafen, zudem sind hier rund 200 Soldaten stationiert. Im April hatte erstmals seit sieben Jahren eine taiwanische Ministerin die Insel besucht, um die Ansprüche ihres Landes zu untermauern.

Insel südöstlich von Hongkong gerät zunehmend ins Visier

Auch die Insel Pratas, die südöstlich von Hongkong liegt und ebenfalls von Taipeh verwaltet wird, gerät zunehmend ins Visier der post-kommunistischen Volksrepublik. Mehrfach drangen in diesem Jahr Boote der chinesischen Küstenwache in die Gewässer rund um die Insel ein, zuletzt in der vergangenen Woche. Im Januar überquerte erstmals eine chinesische Drohne die Insel, Ende Mai standen sich Schiffe beider Länder hier mehr als 30 Stunden lang gegenüber. Joseph ​Wu, Generalsekretär des taiwanischen nationalen Sicherheitsrats, sprach auf der Online-Plattform X von „äußerst provokativen Handlungen“.

China beansprucht fast das gesamte Südchinesische Meer für sich, darunter viele Inseln und Atolle, die vor den Küsten Vietnams und der Philippinen liegen. Für Peking hat die Region große strategische Bedeutung: Durch das Meer verlaufen einige der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt: Verschiedenen Schätzungen zufolge passiert rund ein Fünftel bis ein Drittel des Welthandels die Region. Für China als Exportweltmacht ist die Kontrolle des Südchinesischen Meeres von entscheidender Bedeutung.

Taiwan hat eine immense Bedeutung für China und die Welt

Peking baut seine Präsenz in der Region deshalb seit Jahren massiv aus und errichtet Häfen und Flugplätze auf den umstrittenen Inseln. „China versucht, systematisch Fakten zu schaffen, ohne formalen Kriegsakt“, sagte May-Britt Stumbaum von der Denkfabrik „Spear Institute“ der Frankfurter Rundschau. Peking komme es zugute, dass die globale Aufmerksamkeit derzeit auf andere Weltregionen gerichtet ist, etwa den Iran und die Ukraine.

Zu Zusammenstößen kam es im Südchinesischen Meer in den vergangenen Jahren vor allem an Inseln, die von den Philippinen verwaltet werden. Rund um die von Taiwan kontrollierten Gebiete blieb es lange Zeit hingegen relativ ruhig. Das scheint sich nun zu ändern. Laut Thomas Shattuck von der Denkfabrik „Global Taiwan Institute“ liegt das auch an der Politik der US-Regierung, durch die sich Peking zu immer provokanteren Aktionen ermutigt fühle. Peking stelle „Taipehs Ansprüche im Südchinesischen Meer noch stärker in Frage“, so Shattuck.

Donald Trump hatte während seines Peking-Besuchs Mitte Mai die Schuld für die Spannungen in der Taiwanstraße teilweise auf die Regierung in Taipeh abgewälzt. Zudem ließ er offen, ob seine Regierung neuen Waffenlieferungen an Taiwan zustimmen werde. Dass Washington militärisch eingreift, sollte Peking die Kontrolle über die unbewohnten und nur leicht befestigten taiwanischen Inseln im Südchinesischen Meer übernehmen, erscheint vor diesem Hintergrund zunehmend unwahrscheinlich.

Chou Yu-ping, ein pensionierter Oberst der taiwanischen Luftwaffe, sagte der South China Morning Post, die Insel Pratas werde zunehmend zu einem „Testfeld“ für Peking. Die chinesische Regierung wolle ausloten, wo Taiwans rote Linien verlaufen. Die Situation in der Region nähere sich „einem kritischen Punkt, an dem die Lage außer Kontrolle geraten könnte“.

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