China bremst Nvidia, Tiktok-Deal naht

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Der Gegenwind für Nvidia in China wird immer stärker. Die chinesische Internetaufsichtsbehörde hat große Technologieunternehmen in dieser Woche dazu aufgefordert, keine neuen Nvidia-Chips für Anwendungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) zu bestellen, berichtete die britische Wirtschaftszeitung „Financial Times“. Der Aktienkurs von Nvidia notierte vorbörslich anderthalb Prozent im Minus.

Die Behörden sind nach einem Treffen mit chinesischen Technologieunternehmen demnach zu dem Schluss gekommen, dass die chinesischen Computerchips für KI-Anwendungen mit jenen von Nvidia vergleichbar sind, die in China verfügbar sind. Die Vereinigten Staaten untersagen Nvidia weiterhin den Verkauf der neuesten KI-Chips in die Volksrepublik. Der Chip RTX6000D, den Nvidia kürzlich eigens für China entwickelt hatte, liegt auf dem Niveau von vor einigen Jahren.

Doch die chinesischen Unternehmen machen schnelle Fortschritte. Alibaba hat mit dem staatlichen chinesischen Telekommunikationskonzern Unicom einen Großkunden für seine KI-Chips gefunden, wie der Konzern am Mittwoch mitteilte. Am Dienstag hatte der staatliche Fernsehsender CCTV in einem Bericht über einen Besuch des Ministerpräsidenten Li Qiang eine Tabelle eingeblendet, in der der Telekomriese Nvidia-Chips mit denen von Alibaba und Huawei vergleicht. Alibabas Aktienkurs lag am Mittwoch um mehr als fünf Prozent im Plus.

Kampagne gegen Nvidia

Die chinesische Regierung führt seit einigen Monaten eine Kampagne gegen Nvidia. Damit will sie die heimische Halbleiterindustrie stärken und die Abhängigkeit von den USA senken. Sie wirft dem Unternehmen unter anderem Verstöße gegen Kartellauflagen und den Einbau von Hintertüren in die Computerchips vor, die Spionage ermöglichen könnten. Nvidia bestreitet das vehement.

Während die Fronten in der Halbleiterindustrie zwischen den Vereinigten Staaten und China verhärtet sind, scheint in andere Felder Bewegung zu kommen. Der amerikanische Finanzminister Scott Bessent und der stellvertretende chinesische Ministerpräsident He Lifeng hatten sich in dieser Woche in Madrid zur nächsten Verhandlungsrunde getroffen und sich dort offenbar auf eine Lösung für das soziale Netzwerk Tiktok geeinigt.

Berichten zufolge könnten amerikanische Investoren um den kalifornischen ­ Oracle -Konzern rund vier Fünftel des amerikanischen Ablegers von Tiktok übernehmen. Der Rest verbliebe in chinesischer Hand. Tiktok hat mit Byte­dance einen chinesischen Eigentümer und ist in den USA und anderen westlichen Ländern sehr beliebt. Washington sieht darin ein potentielles Sicherheitsrisiko. Das chinesische Unternehmen würde die Algorithmen dem neuen US-Unternehmen künftig per Lizenz zur Verfügung stellen. Die Daten würden in amerikanischen Datenzentren gespeichert.

Noch ist die Einigung aber nicht endgültig, vielmehr hängt sie von einem für Freitag geplanten Telefonat zwischen dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump und dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping ab. In der Vergangenheit schien es schon mehrmals so, als sei eine Lösung für die Zukunft von Tiktok gefunden, ohne dass diese dann in die Tat umgesetzt wurde.

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