Chef der Bank of England warnt G20 vor KI-Investmentblase und Cyberrisiken durch Frontier AI

5 hours ago 4

Andrew Bailey warnt in einem Brief an die G20-Finanzminister vor überzogenen KI-Bewertungen, wachsender Hebelwirkung an den Märkten und Cyberrisiken durch Frontier-AI-Modelle. Viele Länder hätten keine Regeln für den Umgang mit fortgeschrittener KI.

Andrew Bailey, Gouverneur der Bank of England und Vorsitzender des Financial Stability Board (FSB), warnt in einem Brief an die G20-Finanzminister vor wachsenden Risiken für das globale Finanzsystem. Das FSB koordiniert als internationales Gremium die Finanzmarktregulierung der G20-Staaten. KI nimmt in dem Schreiben eine zentrale Rolle ein.

Das Finanzsystem habe den durch den Nahostkonflikt ausgelösten Schock zwar verkraftet. Doch die Lage bleibe angespannt: Energiepreise schwanken weiter stark, Zinsen sind gestiegen, und riskante Anlagen bleiben hoch bewertet.

KI-Investments und Hebelwirkung als Brandbeschleuniger

Bailey sieht mehrere Schwachstellen, die bei einem größeren Schock gleichzeitig brechen könnten. Neben fragilen Staatsanleihemärkten und intransparenten Privatkrediten hebt er vor allem die überzogenen Bewertungen von KI-Investments hervor.

Besonders besorgt ihn, dass immer mehr Anleger auf Kredit spekulieren. Er nennt gehebelte ETFs und trendfolgende Strategien, an denen zunehmend auch Privatanleger beteiligt sind. Hedgefonds, die gleichzeitig in Aktien und Staatsanleihen investieren, erhöhen laut Bailey das Risiko, dass Probleme in einem Markt auf andere übergreifen.

Das eigentliche Problem sei nicht, dass Investoren mehr Schulden aufnehmen, sondern dass diese Hebelwirkung mit hohen Bewertungen und Marktkonzentration zusammentreffe, schreibt Bailey. Er verweist auf die zunehmenden Überkreuzbeteiligungen zwischen KI-Unternehmen und Hyperscalern: Gerät ein großer KI-Konzern ins Straucheln, könnte das andere Techkonzerne und schließlich den gesamten Markt mitreißen.

Steigende Verschuldung sei typisch für einen reifenden Börsenzyklus. Sie verstärke Aufschwünge, aber eben auch Abstürze, "wie die jüngsten Wochen gezeigt haben", so Bailey.

Frontier AI könnte Cyberangriffe auf Banken fundamental verändern

Das zweite große Risiko sieht Bailey in Frontier-AI-Modellen. Diese entwickeln laut seinem Brief zunehmend autonome Fähigkeiten, aber auch Bedrohungspotenzial. Die drängendste Gefahr: Frontier AI könnte "Geschwindigkeit, Ausmaß und Ökonomie von Cyberrisiken grundlegend verändern". Angriffe würden billiger, schneller und häufiger, was das Vertrauen in das Finanzsystem insgesamt erschüttern könne.

Das Risiko werde dadurch verschärft, dass Banken und andere Finanzinstitute weltweit von wenigen großen Technologieanbietern abhängen. Ein erfolgreicher Angriff auf einen dieser Anbieter könnte gleichzeitig zahlreiche Institute in verschiedenen Ländern treffen. Bailey warnt, dass Unterschiede in der Cyberabwehr zwischen Ländern selbst zur Schwachstelle werden könnten.

Frontier AI biete zwar auch Chancen für die Verteidigung gegen Cyberangriffe. Doch jüngste Entwicklungen zeigten, dass technologische Fortschritte mit entsprechender Vorbereitung einhergehen müssten.

Viele Länder hätten keine Regeln für die Entwicklung, Veröffentlichung und den Einsatz fortgeschrittener KI‑Modelle. Das erhöhe die Risiken weit über den Finanzsektor hinaus. Globale Schritte für eine sichere und verantwortungsvolle Veröffentlichung von KI-Modellen sollten "eine Priorität sein", schreibt Bailey. Das würde allen Wirtschaftsbereichen zugutekommen. Das FSB untersucht derzeit, wie Finanzunternehmen Frontier-Modelle sicher zur Cyberabwehr einsetzen können.

Baileys Warnung reiht sich in eine wachsende Debatte über die Stabilität der KI-Investments ein. Vor kurzem warnte auch der NYU-Finanzprofessor Aswath Damodaran, dass ein möglicher Crash im KI-Sektor schmerzhafter ausfallen könnte als das Platzen der Dotcom-Blase. Anders als damals erfordere die KI-Branche riesige Investitionen in physische Infrastruktur, die stark mit Schulden finanziert seien. Wenn eine Korrektur komme, treffe der Schmerz nicht nur Aktionäre, sondern könne auf die gesamte Gesellschaft übergreifen.

KI-News ohne Hype – von Menschen kuratiert

Mit dem THE‑DECODER‑Abo liest du werbefrei und wirst Teil unserer Community: Diskutiere im Kommentarsystem, erhalte unseren wöchentlichen KI‑Newsletter, 6× im Jahr den "KI Radar"‑Frontier‑Newsletter mit den neuesten Entwicklungen aus der Spitze der KI‑Forschung, bis zu 25 % Rabatt auf KI Pro‑Events und Zugriff auf das komplette Archiv der letzten zehn Jahre.

Jetzt abonnieren

Read Entire Article