Für ihr Buch hat Keach Hagey viele Leute in Altmans Umgebung interviewt und intensive Hintergrundrecherchen angestellt. Außerdem konnte sie auch mehrfach persönlich mit ihm sprechen.
So ist es ihr gelungen, ein facettenreiches Bild des OpenAI-Gründers zu zeichnen, dessen Werdegang weit vom Klischee eines einsamen Tech-Nerds enfernt ist.
Das zeigt gerade die frühe Phase seiner Karriere zur Blütezeit des Silicon Valley, als er vom Studienabbrecher zum Chef von Paul Grahams Startup-Inkubator „Y Combinator“ wurde. Gemeinsam mit Kommilitonen entwickelte er das wenig erfolgreiche Ortungssystem Loopt. Ein besseres Händchen zeigte er bei Investitionen, etwa in Patreon und Stripe.
Außer für Finanzierungmodelle interessierte Altman sich schon früh dafür, günstig Energie zu erzeugen, und nicht zuletzt für künstliche Intelligenz. Nachdem er die Finanzierungsstruktur von Y Combinator umgekrempelt hatte, kam ihm das Angebot, im KI-Sektor zu arbeiten, sehr gelegen.
Damals dominierte Googles DeepMind die Szene; OpenAI galt als Underdog. Hagey hat die Entstehungsgeschichte des Unternehmens detailliert herausgearbeitet. Unter anderem macht sie verständlich, warum Elon Musk OpenAI heute so ablehnend gegenübersteht.
Technisch und organisatorisch war der Aufbau des Unternehmens vorwiegend bis zur Entwicklung von GPT-3.5 herausfordernd. Danach hatte OpenAI problematische Inhalte halbwegs im Griff; im Kern ging es dann vorrangig darum, Rechenleistung und Trainingsdaten zu managen.
Intern lag allerdings einiges im Argen. 2020 verließen wichtige Mitarbeiter das Unternehmen und gründeten den Konkurrenten Anthropic. Fast legendär ist Altmans kurzzeitige Entlassung, deren verzwickte Hintergründe Hagey ausführlich erhellt.
Sorgfältig analysiert die Autorin auch Altmans politische Überzeugungen. Überraschenderweise verficht er ein bedingungsloses Grundeinkommen und glaubt, dass der Kapitalismus in der jetzigen Form nicht funktioniert. Kurze Zeit dachte er darüber nach, selbst politisch aktiv zu werden. Beim Netzwerken kennt er keine Berührungsängste, arbeitete unter anderem mit Peter Thiel, Elon Musk, Stephen Wolfram, Aaron Swartz und Mark Zuckerberg zusammen.
Keach Hageys Buch, das in gelungener deutscher Übersetzung vorliegt, ist erfreulicherweise keine Gefälligkeitsliteratur, sondern ein mit solidem journalistischem Handwerk entstandenes Zeitdokument.
Keach Hagey
Sam Altman
OpenAI, Künstliche Intelligenz und der Wettlauf um unsere Zukunft
- Quadriga, Köln 2025
- ISBN 978-3869951638
- 480 Seiten, 28 €
- (Epub-/Kindle-E-Book: 25 €)
(psz)


