Die Bluetooth Special Interest Group (SIG) hat „Bluetooth High Data Throughput“ (HDT) offiziell verabschiedet. Die Technik ist eine optionale Funktion von Bluetooth Core 7.0 und soll eine schnellere Datenübertragung, bessere Energieeffizienz und verbesserte Zuverlässigkeit liefern. Außerdem erhöhe der Standard die maximal unterstützte Bitrate von Bluetooth LE auf beinahe das Vierfache.
Besserer Sound über Bluetooth
Für Bluetooth LE bedeutet die nahezu vervierfachte maximal unterstützte Bitrate einen Sprung von 2 Mbit/s auf 7,5 Mbit/s. Die Bitrate von 2 Mbit/s hatte die Bluetooth SIG mit der physikalischen Schicht (PHY) LE 2M mit Bluetooth 5.0 im Dezember 2016 eingeführt. Verpflichtend sind bei HDT allerdings nur Stufen mit 2, 3 und 4 Mbit/s, die Raten von 6 und 7,5 Mbit/s sind optional, wobei Geräte mit 7,5 Mbit/s auch 6 Mbit/s beherrschen müssen. Die erhöhte Bitrate soll nicht nur verlustfreies und hochauflösendes Audio bieten, sondern auch neue drahtlose Audioerlebnisse, darunter räumliches Audio und Mehrkanal-Surround-Sound, ohne dass proprietäre Codecs wie etwa Sonys LDAC oder Qualcomms aptX Lossless erforderlich sind.
Laut der Bluetooth SIG bringt HDT weitere Optimierungen in einigen Schlüsselbereichen mit sich: Dank der schnelleren Datenübertragung können Geräte in derselben Zeit mehr Informationen austauschen, wodurch Dateiübertragungen, Synchronisierungen und Firmware-Updates wesentlich schneller vonstattengehen sollen. Hinzu kommt eine verbesserte Spektraleffizienz. Damit sollen Geräte innerhalb der verfügbaren Funkressourcen mehr Daten austauschen können.
Wie die Bluetooth SIG weiter ausführt, verbringe das Funkmodul weniger Zeit mit aktivem Senden, da es größere Datenmengen schneller übertrage. Dadurch könne es sich länger in energiesparenden Betriebszuständen aufhalten. Dies führe dazu, dass Geräte eine höhere Leistung erbringen und gleichzeitig Energie effizienter nutzen. Darüber hinaus soll Bluetooth HDT robuster sein, was dazu beitragen dürfte, dass Geräte auch in anspruchsvollen Umgebungen stabilere Funkverbindungen aufrechterhalten können.
Joonsuk Kim, Executive Vice President und Leiter der S.LSI-CP-Entwicklung bei Samsung Electronics, sagt zu der neuen Entwicklung: „Die Bedeutung von Bluetooth High Data Throughput geht weit über die reine Geschwindigkeit hinaus“. Er ergänzt: „Durch die gleichzeitige Verbesserung von Datendurchsatz, Kapazität, Energieeffizienz und Zuverlässigkeit bietet Bluetooth HDT Entwicklern und Produktherstellern eine solidere Grundlage für die Entwicklung leistungsfähigerer Produkte und ein reichhaltigeres drahtloses Erlebnis.“
Auch gut für KI
Laut der Bluetooth SIG dürften neben Audioprodukten auch weitere Gerätekategorien profitieren, denn durch die höhere Bandbreite könne die Technologie besser mit datenintensiven KI-Anwendungen und Spatial-Computing-Geräten zusammenarbeiten. Weiter sollen etwa die Aktualisierung der Firmware von Smartwatches oder die Synchronisierung von Fitnessdaten zwischen Geräten deutlich schneller und reibungsloser ablaufen.
„Stellen Sie sich eine Smartwatch vor, die über Stunden gesammelte, sensorreiche Trainingsdaten innerhalb von Sekunden mit Ihrem Smartphone synchronisiert, eine Smartbrille, die durch die Auslagerung von Daten zur Verarbeitung ein noch intensiveres KI-Erlebnis bietet, oder ein Smart-Home-Produkt, das ein Firmware-Update praktisch ohne für den Nutzer wahrnehmbare Ausfallzeit durchführt“, erklärte Øyvind Strøm, Executive Vice President des Geschäftsbereichs „Short-Range“ bei Nordic Semiconductor.
Als erste Anwendung will die SIG im Jahr 2027 standardisiertes Premium-Wireless-Audio freigeben. Damit Konsumentinnen und Konsumenten die neue Technologie nutzen können, müssen nicht nur Kopfhörer oder andere Bluetooth-Geräte den Standard unterstützen, sondern selbstredend auch die Zuspieler wie Smartphones, Tablets und Notebooks.
(afl)



