Avatare von Opfern, problematische Rasterfahndung, ein interaktiver Schießstand: Wie sehr revolutioniert die künstliche Intelligenz bereits die Polizeiarbeit? Ein Besuch im Bundeskriminalamt
Aus der ZEIT Nr. 42/2025 Aktualisiert am 4. Oktober 2025, 13:40 Uhr
Dieser Artikel ist Teil von ZEIT am Wochenende, Ausgabe 40/2025.
Das Gesicht der jungen Frau auf dem Bildschirm wirkt glatt, irgendwie leblos. Doch dann bewegt es sich, die Frau fängt an zu sprechen: "Ich bin Lisa. Ich werde seit dem 1. Oktober vermisst. Zuletzt wurde ich am Bahnhof gesehen, ich trug eine schwarze Jeansjacke." Die Verschwundene berichtet mit eigenen Worten von ihrem Schicksal. Sie beantwortet sogar Fragen dazu. Und ja, es ist gespenstisch, vor allem aber viel berührender als ein Foto der Vermissten plus einer nüchternen Polizeimeldung. Ein Beamter des Bundeskriminalamtes hat diesen sogenannten Avatar der jungen Frau am Rechner erschaffen. Alles, was er benötigt, um einen beliebigen Menschen zum Leben zu erwecken, sind ein Foto und einige Beispiele der Stimme, etwa aus früheren WhatsApp-Nachrichten oder Instagram-Posts. Künstliche Intelligenz (KI) erzeugt den Avatar und rechnet den Text in diverse Sprachen um. Die junge Frau spricht mit ihrer eigenen Stimme lippensynchron auch auf Chinesisch, obwohl das Opfer diese Sprache nie beherrschte.



