BKA: OK bleibt hoch, Cybercrime dominiert

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Die organisierte Kriminalität floriert, die meisten Verfahren gibt es im Bereich Rauschgiftkriminalität. Der Bundesinnenminister sieht ein "massives Drogenproblem".

Aktualisiert am 24. Oktober 2025, 11:13 Uhr Quelle: DIE ZEIT, AFP, Reuters, dpa,

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 Die Zahl der Ermittlungsverfahren in Fällen organisierter Kriminalität ist im vergangenen Jahr leicht gestiegen. Der Bundesinnenminister spricht von einer "hohen Alarmstufe".
Die Zahl der Ermittlungsverfahren in Fällen organisierter Kriminalität ist im vergangenen Jahr leicht gestiegen. Der Bundesinnenminister spricht von einer "hohen Alarmstufe". © Bernd von Jutrczenka/​dpa

Das Ausmaß der organisierten Kriminalität in Deutschland bleibt auf einem hohen Niveau. Das teilten Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) und der Präsident des Bundeskriminalamts (BKA), Holger Münch, auf einer Pressekonferenz in Wiesbaden mit. Nach BKA-Angaben wurden im vergangenen Jahr 647 Ermittlungsverfahren eingeleitet. Das waren fünf Verfahren mehr als im Vorjahr und der zweithöchste Wert der vergangenen zehn Jahre.

Der Großteil der Taten der Organisierten Kriminalität betraf den Angaben nach die Rauschgiftkriminalität mit 259 Verfahren. Es folgten Wirtschaftskriminalität (112 Verfahren), Steuer- und Zolldelikte (63) sowie Schleuser- (58) und Eigentumskriminalität (47). Dobrindt warnte vor einem "massiven Drogenproblem" in Deutschland. "Es ist weiterhin eine hohe Alarmstufe – sowohl was die Rauschgiftkriminalität anbelangt, als auch was die organisierte Kriminalität anbelangt bei uns im Land", sagte er.

"Sie agiert brutal und skrupellos, weltweit"

Dem Lagebild zufolge lag der durch organisierte Kriminalität verursachte Gesamtschaden in Deutschland im vergangenen Jahr bei 2,6 Milliarden Euro. Mehr als zwei Drittel der Schadenssumme entfielen auf den Bereich Cybercrime, obwohl er nur vier Prozent der Ermittlungsverfahren ausmachte. Die Summe des gewaschenen Geldes stieg auf 230,5 Millionen Euro. In jedem fünften Verfahren wurden bei den verfolgten Taten den Angaben nach verschlüsselte Messengerdienste genutzt.

"Sie agiert brutal und skrupellos, weltweit – vom Drogenhandel über Geldwäsche bis zur Einflussnahme auf Entscheidungsträger", sagte Dobrindt über die organisierte Kriminalität. "Diesen kriminellen Netzwerken muss man den Nährboden entziehen, indem man ihre Geldquellen konsequent austrocknet. Wer innerhalb dieser Strukturen nicht erklären kann, woher sein Vermögen kommt, soll es verlieren. Das ist ein Paradigmenwechsel", sagte er.

"Auf dem Vormarsch" sei in Deutschland auch "crime as a service", sagte der Präsident des BKA. Der Begriff beschreibt Gruppen, die organisierte Kriminalität als Dienstleistung anbieten. Münch wies dabei insbesondere auf den Bereich der Geldwäsche sowie auf das Phänomen "violence as a service" hin. Dabei seien insbesondere Kinder und Jugendliche im Visier der Kriminellen. Sie werden demnach gezielt angeworben, um Drohungen auszusprechen, Angriffe durchzuführen oder auch Tötungen zu begehen. Die Anwerbung erfolge oft über Onlineplattformen oder Messengerdienste.

Zahl der Rauschgiftdelikte in Deutschland sinkt

Der Drogen- und Suchtbeauftragte der Bundesregierung, Hendrik Streeck, stellte außerdem ein Lagebild zur Rauschgiftkriminalität vor. Es zeigt den bereits im April in der polizeilichen Kriminalstatistik verzeichneten deutlichen Rückgang von Drogenstraftaten im vergangenen Jahr vor dem Hintergrund der Teillegalisierung von Cannabis.

Demnach sank die Zahl der Rauschgiftdelikte in Deutschland 2024 um 34,2 Prozent auf 228.104 Vergehen. Auch der Anteil von Rauschgiftdelikten an der Gesamtkriminalität verringerte sich damit von 5,8 auf 3,9 Prozent. Die Zahl der Tatverdächtigen sank 2024 gleichfalls um 34 Prozent auf 175.669.

Markt für synthetische Drogen wächst

Cannabis bleibt den Angaben nach eine wichtige Einnahmequelle für kriminelle Gruppierungen. Trotz der Gesetzesänderung und der damit einhergehenden Teillegalisierung machen Cannabisdelikte mit 96.320 Fällen nach wie vor den größten Anteil an allen Rauschgiftdelikten aus. Kokain hat laut BKA den zweitgrößten Anteil. Im Jahr 2024 registrierte das BKA 30.996 Kokain-Delikte – ein Plus von 4,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 

Zudem wächst den Angaben nach der Markt für synthetische Drogen. Im vergangenen Jahr stellten Ermittler 37 Produktionsstätten sicher, darunter elf Großlabore. Die sichergestellten Mengen an MDMA stiegen um 115,4 Prozent, die an Methamphetamin um 13,3 Prozent und jene an Amphetamin um 8,2 Prozent. Die Anzahl der Todesfälle nach dem Konsum von synthetischen Opioiden wie Nitazene ist von 4 im Jahr 2023 auf 23 im vergangenen Jahr gestiegen.

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