Big Brother Awards: Kritik an Smart-Brillen

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Stand: 25.09.2026, 13:35 Uhr

Von: Daniel Roßbach

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Der Verein Digitalcourage hat die Big Brother Awards vergeben – Fielmann und Apollo wegen des Verkaufs von Meta-Kameras-Brillen. Auch Innenminister Dobrindt wurde ausgezeichnet.

Die „Big Brother Awards“, verliehen vom Verein Digitalcourage, sollen so etwas wie „die Oscars gegen Überwachung“ sein. Jedes Jahr vergibt eine Jury den Negativpreis, um auf akute oder drohende Verletzungen von digitalen Freiheitsrechten, Privatsphäre und Datenschutz aufmerksam zu machen. Wie am Freitagabend verkündet wurde, geht der Negativpreis in diesem Jahr an Innenminister Alexander Dobrindt, das EU-Gesetzgebungsvorhaben „Digitaler Omnibus“, die Optiker-Ketten Apollo und Fielmann, die Evangelische Nordkirche und die Deutsche Telekom.

 Smart Glasses bergen Potential zu Missbrauch und übergriffigem Filmen. Auch dafür gibt es einen Big-Brother-Negativpreis.

Immer im Blick der Kameras: Smart Glasses bergen Potenzial zu Missbrauch und übergriffigem Filmen. Auch dafür gibt es einen Big-Brother-Negativpreis. © Christoph Schmidt/dpa

Den CSU-Politiker Dobrindt hebt die Jury für die Weise negativ hervor, in der eine universelle Personen-Kennnummer im Rahmen der „Registermodernisierung“ eingeführt werden soll – ein Projekt, für das sein Ministerium federführend verantwortlich ist. Als diese Kennnummer soll die Steuer-ID verwendet werden, die schon jetzt allen Deutschen zugeordnet wird. Juror Frank Rosengart, der im Chaos Computer Club (CCC) mit Fokus auf Datenschutz aktiv ist, sieht darin genau die „Zweckentfremdung“ der Steuer-ID, die bei deren Einführung schon vorhergesehen wurde. Deshalb habe es dafür und für die Registermodernisierung schon 2007 und 2020 Big Brother Awards gegeben.

Während die Vereinfachung und Digitalisierung von Verwaltungsakten grundsätzlich zu begrüßen sei, habe Deutschland bei der Ausgestaltung des Vorhabens aber Datenschutz-Anliegen außen vorgelassen. So fehlten Schutzmechanismen vor unberechtigten Datenzugriffen durch Behörden. Und darauf, dass die Einführung eines einheitlichen Personenkennzeichens für alle Register ein entscheidender Schritt zur Schaffung des gläsernen Bürgers sei, habe das Bundesverfassungsgericht schon in einer wegweisenden Entscheidung im Jahr 1983 hingewiesen, so Rosengart.

Kritik an Vertrieb von Smartbrillen

Den beiden Optiker-Unternehmen Apollo und Fielmann werfen die Datenschutz-Aktivist:innen vor, mit dem Vertrieb von mit Kameras ausgestatteten Computerbrillen des Konzerns Meta „heimliche Bild- und Tonaufnahmen im Alltag zu ermöglichen und die Totalüberwachung aller Lebensbereiche zu normalisieren“. Die deutschen Unternehmen machten sich „mitschuldig“, indem sie die „Spionage-Brillen“ verkauften.

Anti-Laudatorin Elisabeth Niekrenz, Anwältin mit Fokus auf Datenschutz aus Leipzig, sagte: „Smarte Brillen sind strukturell darauf angelegt, die Rechte Anderer zu verletzen. Im Freibad, Club, beim Date oder in der Sauna? Smart Glasses are watching you.“ Gerade für Frauen seien damit besondere Missbrauchsgefahren im öffentlichen Raum oder in privaten Situationen verbunden. Smart Glasses seien „das perfekte Werkzeug, um Frauen als sexualisierten ‚Content‘ für Klicks und Likes auszubeuten“. Auf FR-Anfrage äußerten sich die negativ prämierten Firmen zunächst nicht zu der Kritik.

Der Facebook-Konzern Meta hatte erst am Donnerstag bekannt gegeben, künftig auch Computer-Brillen ohne Kameras anzubieten. Beobachtende sahen darin eine Antwort auf lauter werdende Beschwerden über die Geräte des Konzerns und deren Missbrauch für nicht-einvernehmliche Aufnahmen – immer öfter wurden die Meta-Brillen „pervert glasses“ genannt. In Frankreich hat die Staatsanwaltschaft zuletzt Ermittlungen über Fälle eingeleitet, in denen Männer, die Smart Glasses trugen und damit gefilmt haben, Frauen provoziert, ihre Reaktion aufgenommen und Videos ohne Einverständnis online gestellt haben sollen. Die Ermittlungsbehörden sprachen von einer steigenden Tendenz solcher Fälle. In Australien wird ein Verbot der Geräte zumindest in öffentlichen Einrichtungen diskutiert. Die Regierung dort sieht sich als weltweiten „Vorreiter für digitale Sicherheit“.

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