Beyerdynamic Amiron 200 im Test

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Open-Ear-Kopfhörer legen seit einigen Jahren spürbar zu – und das nicht nur in puncto Beliebtheit, sondern zunehmend auch klanglich. Beyerdynamic macht mit dem neuen Amiron 200 deutlich, dass man das Segment nicht den Sportmarken überlassen will. Anders als das hauseigene Clip-on-Modell Amiron Zero Sport setzt der Amiron 200 auf klassische Ohrbügel. Der Fokus liegt dabei klar auf dem Klang – und das spürt man tatsächlich.

Design und Verarbeitung

Die Amiron 200 sehen zurückhaltend aus. Kein Logo, das sofort ins Auge springt, kein buntes Plastik. Erhältlich in Mattschwarz und Mattweiß wirken die Kopfhörer ordentlich und modern. Die ergonomischen Ohrbügel bestehen aus robustem Kunststoff, der Lautsprecher positioniert sich vor dem Gehörgang.

Mit gut zehn Gramm pro Earbud fallen die Amiron 200 etwas schwerer aus als mancher Konkurrent. Das schlägt sich bei bestimmten Ohrenformen in einem nicht ganz so festen Sitz nieder, beim Tragekomfort an sich macht sich das Gewicht aber kaum bemerkbar. Das Ladecase bringt rund 76 g auf die Waage und ist mit Abmessungen von 87 × 68 × 29 mm eines der größeren Modelle in diesem Segment. Es passt noch in die Hosentasche, trägt dort aber spürbar auf.
Die IP54-Zertifizierung schützt vor Staub und Wasserspritzern – für eine schweißtreibende Runde Joggen oder einen kurzen Schauer reicht das allemal. Schwimmen, duschen oder sie in einer Pfütze zum Verweilen ablegen – alles keine gute Idee für die Amiron 200. Verarbeitung und Haptik sind insgesamt solide.

Tragekomfort

Der Sitz ist angenehm. Die weich gummierten Ohrbügel passen sich gut an und erzeugen auch nach längerer Tragedauer keinen Druck. Beim Sport – Crosstraining, Radfahren – bleiben die Earbuds zuverlässig am Ohr. Bei sehr kleinen Ohren kann der Halt sicher etwas locker ausfallen, das sollte man vor dem Kauf im Hinterkopf behalten. Grundsätzlich gilt: Man kann die Amiron 200 problemlos den ganzen Tag tragen, ohne Beschwerden.

Bedienung und App

Gesteuert wird per Touch-Oberfläche an den Treibereinheiten. Tippen, mehrfach tippen, halten – die üblichen Gesten für Wiedergabe, Lautstärke, Spurwechsel und Anrufannahme sind alle dabei. Eine leichte Mulde hilft dabei, die Sensorfläche schnell zu finden, was in der Praxis ordentlich funktioniert. Wischgesten gibt es nicht.

Etwas nervig: Die Amiron 200 besitzen keine Trageerkennung. Musik läuft weiter, wenn man die Kopfhörer abnimmt. Fehlauslösungen der One-Touch-Geste passieren hin und wieder. Beides lässt sich über die App entschärfen – die One-Touch-Geste lässt sich deaktivieren, eine automatische Abschaltung nach einstellbaren Zeiträumen zwischen 15 und 120 Minuten ist ebenfalls konfigurierbar. Wer physische Tasten bevorzugt, wird hier aber eben nicht glücklich.

Die Beyerdynamic-App für iOS und Android ist schlicht und direkt gehalten. Ein 5-Band-Equalizer lässt den Klang individuell anpassen, fünf Genre-Presets wie Rock oder Klassik sind vorinstalliert, eigene Profile lassen sich abspeichern. Dazu kommen Firmware-Updates, Akkuanzeige und flexible Tastenbelegung – sogar für jedes Earbud separat. Was fehlt: Spatial Audio, Health-Tracking, eine Gerät-finden-Funktion oder ein personalisiertes Hörprofil. Für den Grundbedarf reicht die App, wer mehr gewohnt ist, muss Abstriche machen, trotz des einigermaßen hohen Preises.

Bluetooth und Codecs

Bluetooth 5.3 ist an Bord, Multipoint verbindet die Amiron 200 gleichzeitig mit maximal zwei Geräten. Bei den Codecs bleibt Beyerdynamic bei SBC und AAC. LDAC und aptX sind nicht dabei. Für ein offenes Design fällt das klanglich kaum ins Gewicht – aber beim Videoschauen kann die Latenz leicht auffallen.

Klang

Hier wird es richtig interessant. Der Klang der Amiron 200 ist für einen Open-Ear-Kopfhörer schlicht mega! Die Klangbühne ist weit und offen – das fühlt sich stellenweise an wie das Tragen eines guten offenen Over-Ear-Kopfhörers. Instrumente lassen sich gut auseinanderhalten, Stimmen kommen klar und direkt rüber, ohne dass der räumliche Eindruck dabei verloren geht.

Was besonders auffällt: mein Liebling, der Bass. Tiefe Frequenzen gehen bei offenen Kopfhörern durch die Bauart naturgemäß teilweise verloren – die Amiron 200 kompensieren das aber spürbar. Der Tiefton ist kräftig, präsent und durchaus druckvoll. Auch für Genres, die ein solides Fundament im Tieftonbereich brauchen, taugen die Kopfhörer gut.

Die Mitten sind ausgewogen und natürlich. Der Hochtonbereich ist scharf genug für Details, aber nicht so überspitzt, dass er nach längerer Tragedauer anstrengend wird. Das Klangbild klingt rundum super – nicht wie ein Kompromiss, den man eingeht, weil man beim Tragen der Dinger die Umgebung wahrnehmen will.

Mit dem Equalizer lässt sich noch nachsteuern. Die Profile „Bass“ oder „Loudness“ heben Tiefen und Mitten gezielt an und bringen nochmal mehr Druck – besonders für Pop und Rock eine sinnvolle Einstellung. In lauten Umgebungen verliert das offene Design bauartbedingt an Tiefe, das geht aber eben allen Open-Ear-Modellen so. Und: Bei höherer Lautstärke bekommt die Umgebung durchaus etwas mit. Wer im Großraumbüro oder Flieger sitzt, sollte das im Kopf behalten.

Telefonie

Vier Mikrofone – zwei pro Earbud – sind für Telefonate und Geräuschunterdrückung zuständig. In ruhigen Räumen klingt das gut und verständlich. In lauten Umgebungen – Straße, Bahnhof, Innenstadt – lässt die Qualität nach, Umgebungsgeräusche erzeugen einen leichten Echoeffekt. Für gelegentliche Anrufe im Alltag ist das aber akzeptabel. Wer viel draußen telefoniert und dabei auf besonders hohe Sprachqualität angewiesen ist, wird sich daran stören.

Akku

Elf Stunden Laufzeit pro Ladung verspricht der Hersteller, das kann ich so abnicken. Das Ladecase liefert zwei weitere Vollladungen, was auf insgesamt bis zu 36 Stunden hinausläuft. Für einen normalen Arbeitstag, Sport oder Reisen braucht man sich keine Gedanken zu machen. Per Quick Charge lassen sich nach zehn Minuten am USB-C-Kabel rund zwei Stunden Wiedergabezeit herausholen – praktisch, wenn es mal schnell gehen muss. Kabelloses Laden per Qi unterstützt das Case nicht. Das hätte dem Gesamtpaket gutgetan und fehlt auf diesem Preisniveau dann doch.

Fazit

Die Beyerdynamic Amiron 200 kosten 179 Euro und machen das meiste davon richtig. Klanglich gehören sie zu den überzeugendsten Open-Ear-Kopfhörern, die man derzeit kaufen kann. Dazu kommen eine starke Akkulaufzeit, ein bequemer Sitz und solide Verarbeitung.

Wer damit leben kann, dass Qi-Lading fehlt, das Case etwas klobig ausfällt und LDAC nicht an Bord ist, bekommt hier ein Paket, das überzeugt. Wer Open-Ear-Kopfhörer sucht und dabei Klangqualität über Komfortfeatures stellt, liegt mit den Amiron 200 richtig.

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