Kopfhörer-Tests gibt es hier im Blog ja immer mal wieder, aber seien wir mal ehrlich: In diesem Segment passiert selten noch etwas wirklich Unerwartetes. Meistens freuen wir uns über ein paar Stunden mehr Akku, minimal besseres Noise Cancelling und im besten Fall noch über eine frische Gehäusefarbe. Und da ich quasi den ganzen Tag Musik auf die Ohren bekomme, auch mit getragenen Hörern, war ich sehr an den neuen Beats 360 interessiert.
Mit den neuen Beats 360 geht die Apple-Tochter einen erfrischenden Weg. Ich hatte die brandneuen Over-Ears in den vergangenen Tagen fast pausenlos auf dem Kopf - und das aus gutem Grund. Für knapp 350 Euro bekommt man hier nämlich nicht nur einen schnöden Kopfhörer, sondern dank eines komplett neuen Designs theoretisch direkt mehrere.
Design und Case: Flachgelegt statt zusammengefaltet
Das Umdenken beginnt bereits beim Auspacken. Wer die Vorgänger kennt, weiß, dass Beats seine Over-Ears traditionell immer an den Scharnieren zusammengeklappt hat. Die Beats 360 verzichten auf diesen Faltmechanismus. Stattdessen liegen die Hörer flach in einem neu gestalteten Transport-Case. Das Case selbst schließt befriedigend per Magnetverschluss und besitzt an der Unterseite ein atmungsaktives Material. Das ergibt durchaus Sinn, wenn man bedenkt, worauf dieser Kopfhörer unter anderem ausgelegt ist: Sport und Schweiß. Dennoch weiß ich, dass der Klappmechanismus sicherlich vielen fehlen wird. Aber hey, die müssen die 360 ja nicht kaufen.
Optisch wirken die Beats 360 erwachsen. Das Design ist schlank geworden. Die dicken roten Akzente vergangener Tage sind einer matten, zurückhaltenden Ästhetik gewichen. Dreht man die Hörmuscheln ab (dazu gleich mehr), sieht das nackte Chassis des Kopfhörers nett aus. Dennoch muss man bedenken: Das ist halt alles Kunststoff - bis auf den Bügel und das Innenleben.
Das Highlight: Modulare Polster für jeden Einsatzbereich
Der Clou und sicherlich das zentrale Mit-Verkaufsargument der Beats 360 ist für viele ihre Modularität. Die Hörmuscheln lassen sich mit einer einfachen Drehbewegung in Sekunden abnehmen und austauschen. Selbst das Polster am Kopfbügel ist nur an drei Punkten eingeklippt und fliegt mit einem Handgriff runter. Das System ist dabei intelligent gebaut, dass der Kopfhörer beim Aufsetzen eines neuen Polsters einen kurzen Bestätigungston abspielt. Er erkennt also hardwareseitig, welches Set gerade montiert ist. Ist ein Polster nicht drauf, blinkt ein rotes Licht.
Beats liefert zwei unterschiedliche Polster-Konzepte: „Ultra Plush“ und „Performance Knit“. Die Ultra-Plush-Variante macht ihrem Namen alle Ehre. Sie ist weich, fühlt sich auf den Ohren an wie zwei Stücke Mäusespeck und ist gut geeignet, wenn ich stundenlang am Mac sitze. Mein absoluter Favorit. Geilo! Auch nach einem langen Arbeitstag drückt hier absolut nichts. Außer natürlich der Bügel auf der Glatze - da hatte ich anfangs wohl zu stramm justiert. Brille? Kein Problem.
Auf der Piste: Der Härtetest für das „Performance Knit“
Interessant wird es aber bei den "Performance Knit"-Textilpolstern. Die Beats 360 sind nämlich nach IPX4 gegen Schweiß und Spritzwasser zertifiziert. Das bedeutet, man hat hier theoretisch einen vollwertigen, robusten Sportkopfhörer vor sich. Wenn ich morgens auf dem Laufband meine 7 bis 10 Kilometer abspule oder bei typischem Geestland-Nieselwetter draußen unterwegs bin, trennt sich bei Kopfhörern schnell die Spreu vom Weizen. Die meisten großen Over-Ears rutschen umher oder verwandeln sich in kleine Saunen. Davon ab muss ich sagen: Ich laufe eigentlich grundsätzlich mit AirPods oder Beats-Sportkopfhörern.
Und die Beats 360? Der Anpressdruck des Bügels ist recht hoch, wodurch die Hörer beim Laufen sitzen. Das Knit-Material atmet gut. Klar, wenn man sich für helle Farben entscheidet, wird man die Polster nach ein paar intensiven Workouts reinigen müssen, was Beats laut Anleitung auch ausdrücklich empfiehlt.
Offen gesagt aber: Würde ich dafür nicht nutzen wollen. Memoryschaum wird x Wäschen nicht gut abkönnen, denn irgendwie schwitzt man die Dinger doch so ein, dass man sie nach wirklich jedem Lauf reinigen muss. Ich zumindest. Und wenn die dann vielleicht noch rumliegen und stinken...nee, lass mal.
Der Clou soll wohl sein: Komme ich verschwitzt nach Hause, drehe ich die nassen Knit-Polster einfach ab, klicke die weichen Ultra-Plush-Kissen auf und kann auf der Couch direkt weiter Musik hören.
Klangqualität und ANC: Tja...es hätte so schön sein können
Hier wird es echt tricky, denn Hören ist immer so ein subjektives Ding. Und ich war nicht von Stunde eins an wohlgesonnen. Und bin es auch immer noch nicht wirklich ganz. Klar, ist preislich eine andere Liga, aber die AirPods Max klingen besser (die finde ich oft zu Unrecht gescholten). Ja, auch der Ace Ultra. Und wahrscheinlich viele andere. Meiner Meinung nach. Ich habe viele, viele Stunden gebraucht, um "rein" zu kommen in den Sound. Ohren sind anpassbar, wir auch die Augen bei Frequenzen.
Die neuen Ohrmuscheln sind physisch deutlich tiefer gebaut. Die Lautsprechertreiber sitzen also nicht mehr direkt auf den Ohren, sondern haben Raum zum Atmen. Ja, die Bühne ist bei vielen Songs breit, aber klanglich war es mir bei Gedöns mit Stromgitarren manchmal zu undefiniert. David Bowie hingegen konnte ich wunderbar breit und detailliert in Dolby Atmos genießen, wobei ich 3D-Audio deaktiviert habe. Da lassen sich dann wunderbar die Instrumente raushören, das macht dann auch Spaß.
Ich raffe es echt nicht, wie das so unterschiedlich klingen kann. Einer meiner Lieblingssongs, Crimer - Hours, klingt toll, Knorkator mit Weg nach unten auch, anderes nicht. Hätte man mir den Hörer aufgesetzt und Editors – Papillon angemacht, hätte ich gesagt: Woot, geile Scheiße. Bei Alive von Pearl Jam eher nicht.
Und ich maße mir wirklich an, spitze Ohren zu haben. Ich würde mutmaßlich bei Blindtests durchfallen, wenn es um Kopfhörer-Generationen geht, aber ich kann schon gut erklären, welcher Hörer sich für mich gut anhört und welcher nicht - und was mir da fehlt. Ich dachte zeitweise, es hängt mit Apple Music zusammen, da meine lokalen Mashups (so etwas z. B.) echt gut gedrückt haben, aber das vergleichsweise herangezogene Spotify machte bei identischen Songs den gleichen Klang.
Ansonsten? Der Bass ist selbst kräftig und druckvoll, wummert aber nicht unkontrolliert. Gesangsstimmen werden kristallklar herausgearbeitet (da mal Dinger aus dem Paradise-Soundtrack hören, Cat vs. Cat & Joyner oder so). Und für alle, die es beim Workout brauchen: Die 360er sind lauter. Zumindest als ihre Vorgänger. Macht beim Laufen Spaß, Nine Inch Nails und ab dafür.
Apple gibt an, dass ANC knapp 1,75-mal effektiver arbeitet als beim Studio Pro. In der Praxis werden die tiefen Frequenzen meines Laufbandes oder Straßenlärm gut weggefiltert. Der Transparenzmodus ist stark (aber nicht AirPods-Pro-like) und lässt Außengeräusche so natürlich ans Ohr.
Ökosystem: Best of Both Worlds
Beats bleibt seiner Linie treu und bedient beide großen Lager. Seid ihr im Apple-Ökosystem verankert, profitiert ihr von der vollen Magie: Automatisches iCloud-Pairing, fliegender Wechsel zwischen iPhone und Mac, Siri-Integration (die euch auf Wunsch Benachrichtigungen vorliest) und volle Unterstützung des „Wo ist?“-Netzwerks. Android-Nutzer schauen aber nicht in die Röhre, sondern bekommen über die Beats-App ein nahezu identisches, natives Erlebnis samt One-Touch-Pairing.
Die Schattenseiten
Bei all der Begeisterung gibt es jedoch zwei dicke Patzer, bei denen ich wirklich verständnislos mit dem Kopf schütteln musste. Der erste Punkt: Es gibt keinen Tragesensor. Nehmt ihr die Beats 360 ab, spielt die Musik einfach weiter. Vergesst ihr, sie manuell über den Button auszuschalten, bleiben sie verbunden. Dann wundert ihr euch, warum das iPhone beim nächsten Anruf stumm bleibt, weil das Gespräch auf den Kopfhörern am anderen Ende des Zimmers landet. Bei einem 350-Euro-Kopfhörer im Jahr 2026 ist das Weglassen eines solchen Features völlig unverständlich. Raffe ich echt nicht.
Der zweite Kritikpunkt betrifft das Thema Audio-Kabel. Die Studio Pro boten noch einen hervorragenden integrierten DAC für verlustfreies Hi-Res-Audio via USB-C und besaßen sogar einen klassischen 3,5-mm-Klinkenanschluss. Beides wurde beim Beats 360 ersatzlos gestrichen. Die USB-C-Buchse dient ausschließlich zum Laden. Wer im Flugzeug das In-Flight-Entertainment nutzen will, hat schlichtweg Pech gehabt. Handfurzgeräusch.
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Mein Fazit
Apple hat mit den Beats 360 (Name und derzeitiger Preis sind Programm, aber der wird sicher günstiger) einen schönen und anpassbaren Kopfhörer auf den Markt gebracht. Das Baukastensystem mit den wechselbaren Hörmuscheln ist kein bloßes Gimmick, sondern löst ein echtes Problem: Man bekommt hier einen Sportkopfhörer und ein hochbequemes Headset in einem einzigen Gerät. Der Klang ist hingegen Geschmackssache. Da hat man mich nicht so ganz überzeugen können. Manches klingt großartig, bei manchen Songs war ich dann doch eher enttäuscht. Das war für mich schon überraschend. Und damit meine ich nicht das "gute überraschend".
Wer über die fehlende Trageerkennung und den gestrichenen Kabelanschluss hinwegsehen kann, findet in den Beats 360 einen Begleiter für alle Lebenslagen, den ihr bei Interesse aber auf jeden Fall irgendwo zur Probe hören solltet. Wirklich. Und ich hoffe, dass Beats da vielleicht noch einmal mit einem Firmware-Update nachjustieren kann. Sollte man. Denn auf einen Equalizer-Support verzichtet man innerhalb von iOS ja auch. Ich werde das mal beobachten mit der Firmware und etwaigen Verbesserungen für meine Ohren (und werde berichten!). Denn durch seine bunten Polster, den Sitz, die unkomplizierte Nutzung und so, ist es echt ein Hörer, den man lieb haben könnte, wenn man ihn viel und auch draußen nutzt.
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1 month ago
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