Stand: 12.06.2026, 19:36 Uhr
Von: Myriam Nollte

BBC-Experte Jeremy Bowen wirft Trump schwere Fehler im Iran-Krieg vor.
Der BBC-Nahostexperte Jeremy Bowen wirft Donald Trump schwere Fehleinschätzungen im Krieg mit Iran vor. Der US-Präsident habe die Kontrolle über die Folgen seiner Entscheidung verloren, militärisch gegen Teheran vorzugehen, sagte Bowen in der Sendung „Today“ des britischen Radiosenders „BBC Radio 4“.
Content-Partnerschaft
Dieser Artikel entstand in Kooperation mit newsinfive.de.
Bowen, bei der BBC für internationale Politik zuständig, kritisierte vor allem die Annahmen hinter Trumps Iran-Kurs. Der Präsident sei davon ausgegangen, dass Iran geschwächt sei und nicht lange kämpfen wolle. Bowen hält diese Annahmen für falsch.
„Donald Trump fühlt sich gerne als Herr über alles, was er überblickt“, sagte Bowen. Doch es sei klar, dass er die Kontrolle über die Folgen seiner Entscheidung verloren habe, in den Krieg zu ziehen.
Neue Angriffe belasten die Waffenruhe
Bowens Kritik fällt in eine angespannte Phase des Krieges. Die US-Nachrichtenagentur „AP“ berichtete, dass die USA iranische Ziele angegriffen hätten, nachdem Trump Teheran für den Absturz eines US-Hubschraubers nahe der Straße von Hormus verantwortlich gemacht hatte. Iran reagierte demnach mit Gegenangriffen. Die neuen Gefechte belasten eine ohnehin fragile Waffenruhe, die seit April gilt.
Nach Darstellung Bowens beruhte Trumps Entscheidung auf falschen Annahmen über Irans Schwäche und Kampfbereitschaft. Hinzu sei die Erwartung eines schnellen Sieges gekommen. Auch Einschätzungen aus Israel hätten Trump demnach in dieser Sicht bestärkt.
Der Vorwurf ist deutlich. Bowen sagt nicht nur, Trump habe sich verkalkuliert. Er argumentiert, der Schritt sei nicht ausreichend durchdacht worden.
Streit um Bedingungen für ein Abkommen
Die britische Zeitung „The Guardian“ berichtete zuletzt über Entwürfe für ein mögliches Abkommen zwischen den USA und Iran. Die britische Nachrichtenagentur „Reuters“ meldete ebenfalls, dass über Bedingungen für ein Ende des Krieges verhandelt werde. Iran prüfe demnach einen Vorschlag, habe aber noch keine endgültige Entscheidung getroffen.
Bowen sieht genau dort das Problem. Nach seiner Einschätzung müsste ein mögliches Abkommen zentrale iranische Forderungen berücksichtigen. Dazu gehöre die Kontrolle Irans über die Straße von Hormus. Auch die Sanktionen gegen die Führung in Teheran müssten Teil der Verhandlungen sein.
Für Trump wäre das politisch schwierig. Bowen verwies darauf, dass der Präsident nicht mit Barack Obama verglichen werden wolle. Dessen Iran-Abkommen hatte Trump jahrelang kritisiert.
Warnung vor einer Dauerkrise
Sollten die USA und Iran keine Einigung erzielen, droht nach Bowens Einschätzung eine lange Phase gegenseitiger Eindämmung. Die USA müssten dann weiter Militärkräfte in der Region halten. Das könne auf gefährliche Weise eskalieren und den Nahen Osten weiter destabilisieren.
Auch wirtschaftlich wären die Folgen spürbar. Die Straße von Hormus ist eine der wichtigsten Routen für Öl- und Gaslieferungen. Eine anhaltende Krise hätte nach Bowens Einschätzung schwere Folgen für Großbritannien und viele andere Länder. (Dieser Artikel entstand in Kooperation mit newsinfive.de.)


