Wer auf der Suche nach einem Bild jenseits der 100 Zoll (ca. 2,54 m) ist, landet vermutlich früher oder später bei Ultrakurzdistanz-Projektoren (UST). Die Kisten stehen direkt vor der Wand oder Leinwand und ersparen lange Kabelwege quer durch den Raum.
AWOL Vision hat mit dem Aetherion Pro ein Modell auf den Markt gebracht, das mit einer RGB-Dreifach-Laserlichtquelle, Google TV, HDMI 2.1 und einem DisplayPort-Anschluss aufwartet. Ich habe mir den Projektor in den vergangenen Wochen im Heimkino-Einsatz genauer angeschaut und geprüft, was die technischen Daten in der Praxis taugen.
Vorab zu mir: Ich bin normalerweise hauptsächlich OLED-Nutzer, habe aber schon diverse Projektoren ausprobieren können - dafür habe ich mir auch im Schlafzimmer an der großen Wand ein nettes Setup mit entsprechender Leinwand aufgebaut. Der WAF ist dabei einige Zeit nicht so hervorgestochen, doch wenn man theoretisch auch mal Kinoabend im Bett machen kann, ist das schon ganz nett. Ist auch mal ganz bequem, da ne Runde zu daddeln oder das Abendspiel in der Champions League zu schauen.
Auspacken, Anschlüsse, und Gehäuse
Das Gehäuse des Aetherion Pro fällt recht wuchtig aus, wirkt aber solide verarbeitet. Im Lieferumfang befinden sich neben dem Gerät selbst eine passende Staubschutzabdeckung, ein Mikrofasertuch sowie die notwendigen Kabel.
Ein Blick auf die Anschlüsse zeigt eine Besonderheit, die man bei Laser-Projektoren selten sieht: Neben drei HDMI-2.1-Ports (einer davon mit eARC für die Tonausgabe an Soundbars oder AV-Receiver), zwei USB-Buchsen und einem LAN-Port verbaut der Hersteller einen vollwertigen DisplayPort-Eingang. Für alle, die einen PC ohne HDMI-2.1-Grafikkarte oder einen Gaming-Rechner direkt anschließen wollen, ist das vielleicht eine nützliche Option.
Google TV und die Fernbedienung: Gar nicht mal so gut
Als Betriebssystem ist Google TV vorinstalliert. Dem System stehen 8 GB Arbeitsspeicher und 128 GB interner Speicher zur Verfügung. Nach dem Hochfahren reagieren die Menüs recht zügig und Apps wie Netflix oder Prime Video starten ohne lange Wartezeiten.
Die mitgelieferte Fernbedienung bietet Direktwahltasten und ein Mikrofon für Sprachbefehle, besitzt allerdings nur eine teilweise Tastenbeleuchtung. Google TV ist für mich so ein Naja-Ding, ich bin aus Gründen mit einem Apple TV unterwegs, da mich die Oberfläche von Amazon sowie Google nicht anspricht, wobei man den Google-TV-Kram ja vielleicht durch einen anderen Launcher ersetzen möchte. Für meinen Test bin ich zweigleisig gefahren, sowohl mit dem aufgespielten System als auch mit einem Apple TV.
Hier fange ich bereits mal an. Das System basiert auf Android 14, Sicherheitspatch von Dezember 2025. Ja, richtig gelesen. Dazu kommt, dass die Software auf dem Projektor selbst eine Frechheit ist. Man kann das Gerät theoretisch in HomeKit einbinden. Der Klick auf den entsprechenden Menüpunkt fördert allerdings nur einen schwarzen Bildschirm hervor. Nichts anderes. Mööp. Großer Punktabzug.
Dass ich zu diesem Menüpunkt überhaupt navigieren konnte, ist ein großes Wunder, denn die Fernbedienung hat es bei mir fast nicht überlebt. Sie reagierte teilweise gar nicht, oder machte was sie wollte. Das hat mich wahnsinnig gemacht. Batterien rausgenommen und neu eingelegt: 1 bis 2 Minuten normale Funktion, bis sie wieder rumgesponnen hat. Blanker Hass, denn die Kiste war so unbenutzbar. Abhilfe schaffte die Google-TV-App zur Bedienung, die aber auch kein Genuss ist.
Neueinrichten und so hat nichts gebracht, allerdings hat das Deaktivieren von Bluetooth auf dem Projektor dafür gesorgt, dass die Fernbedienung dann doch nutzbar war - nur eben ohne die Assistant-Taste. Dass so viele Hersteller von Beamern / Projektoren so tolle Hardware, aber so mistige Software haben, ist ein absoluter Albtraum und sicher ein Punkt, sich gegen so eine Kiste zu entscheiden, wenn man sich nicht eh einen Apple TV oder so davorhängen will.
Laser-Technik, Optik und Kontrast
Beim Aetherion Pro kommt eine RGB-Triple-Laser-Einheit zum Einsatz, bei der separate Laser für Rot, Grün und Blau arbeiten. Der Hersteller gibt eine Farbraumabdeckung von bis zu 110 % des Rec.2020-Standards an. Die 4K-Darstellung wird über einen 0,47-Zoll-DLP-Chip (ca. 1,19 cm) von Texas Instruments mittels Pixel-Shifting realisiert. Falls unbekannt: Um die 4K-UHD-Auflösung (3840 × 2160) auf der Leinwand zu erreichen, wird das Bild per XPR-Processing (vierfacher Pixel-Shift) extrem schnell versetzt. Optisch wirkt das Ergebnis auf der Leinwand zwar wie 4K, technisch entsteht es aber durch die rasante Verschiebung der Full-HD-Pixel. Ist also kein echtes 4K!
AWOL setzt auf ein Glasobjektiv mit thermischer Stabilisierung, wodurch die Schärfe meines Erachtens auch an den Bildrändern stabil bleibt. Das ist bei den steilen Projektionswinkeln von Ultrakurzdistanz-Geräten manchmal ein Knackpunkt, hier aber ordentlich gelöst.
Der native Kontrast liegt laut Datenblatt bei 6.000:1. Über die Funktion Enhanced Black Level (EBL) passt der Projektor die Laserleistung dynamisch an dunkle Filmszenen an. Dadurch erreicht das Gerät für einen DLP-Beamer gute Schwarzwerte, ohne dass Details in dunklen Bildbereichen komplett absaufen. Zusätzlich steht eine manuell verstellbare Irisblende bereit, um den Lichtstrom und den Schwarzwert an die Raumumgebung anzupassen.
Helligkeit und Bildabstimmung ab Werk
Die maximale Helligkeit gibt der Hersteller mit 2.600 ISO-Lumen an. In der Praxis gilt hier wie so oft: Diese Spitzenwerte werden nur in sehr kühlen oder unkalibrierten Bildmodi erreicht, die einen leichten Grünstich aufweisen können. Bei korrekter Farbwiedergabe sinkt die nutzbare Lichtleistung entsprechend. Für den Betrieb bei vollem Tageslicht im unverdunkelten Raum reicht die Helligkeit nicht ganz für den Genuss aus, hier empfehle ich die Kombination mit einer abdunkelnden CLR-Leinwand oder das Zuziehen der Vorhänge.
Ab Werk ist die Farbabstimmung nicht vollends neutral. Wer etwas Zeit in das Farbmanagement investiert, erhält aber eine saubere Farbwiedergabe. An HDR-Formaten werden Dolby Vision, HDR10+, HDR10 und HLG unterstützt. Auch die Wiedergabe von 3D-Inhalten über aktive Shutterbrillen ist möglich, das habe ich aber nicht getestet, da ich nicht mehr in der 3D-Welt unterwegs bin.
Gaming-Eigenschaften und Latenzen
Beim Thema Gaming schneidet das Gerät ordentlich ab. Dank HDMI 2.1 werden Auto Low Latency Mode (ALLM) und Variable Refresh Rate (VRR) unterstützt. Bei einem 4K-Signal mit 60 Hz liegt die Eingabeverzögerung natürlich etwas höher als bei 1080p bei 240 Hz. Für einen Projektor macht der AWOL Vision Aetherion Pro echt gute Arbeit, die schnellen Reaktionen bei Konsolen- oder PC-Spielen zugutekommen. Da haste bei EA FC wirklich einen Fußball ohne Schweif.
Lautstärke und Klang
Die internen Lautsprecher eignen sich für gelegentliches Fernsehen, lassen aber bei tieferen Frequenzen und Dynamik zu wünschen übrig. Wer echten Filmton erwartet, sollte eine externe Soundbar oder ein Mehrkanalsystem über eARC bzw. den optischen Ausgang anbinden.
Ich denke aber, dass das bei Käufern eines solchen Gerätes eh gesetzt und eingeplant ist. Dennoch: In kleineren Räumen ist das schon für normales TV super und ausreichend, doch wer kauft sich so eine Kiste, ohne richtig Filme zu schauen? Richtig, vermutlich keiner.
In ruhigen Passagen ist der Lüfter unter Last hörbar, bei normaler Filmlautstärke tritt er in den Hintergrund. Weil mal welche wegen des Stromverbrauchs fragten, meine Messsteckdose meldete bei "volle Pulle Laserleistung" 132 Watt.
Fazit: Für wen lohnt sich das Gerät?
Der AWOL Vision Aetherion Pro ist kein Gerät, das man hinstellt und ohne Anpassungen im hellen Wohnzimmer betreibt. Wer das Bild nicht kalibriert oder bei Tageslicht schaut, verschenkt Potenzial. Nimmt man sich jedoch Zeit für die Einstellungen und sorgt für einen abgedunkelten Raum, liefert der Projektor ein scharfes Bild mit gutem Schwarzwert und kräftigen Farben.
Die Kombination aus sehr niedrigem Input-Lag, VRR und dem DisplayPort-Anschluss macht ihn vor allem für Gamer und Filmfans mit dediziertem Heimkino-Setup interessant - aber vermutlich nur die, die auch einen anderen Zuspieler davorhängen und keine Probleme mit der Fernbedienung haben. Das waren Punkte, die mich wirklich zur Weißglut getrieben haben. Denn wenn es an der Bedienschnittstelle Mensch <> Maschine schon laggt, dann trübt das wirklich den Eindruck und werden es auch bei tollem Bild schwer machen, knapp 2.800 Euro Investition rechtzufertigen (in Sales um 2.300 Euro).
Technische Daten: AWOL Vision Aetherion Pro
| Projektionstechnologie | DLP (0,47 Zoll / ca. 1,19 cm DMD) mit Pixel-Shift |
| Lichtquelle | RGB-Triple-Laser |
| Auflösung | 4K UHD (3.840 x 2.160 Pixel) |
| Helligkeit | 2.600 ISO-Lumen |
| Nativer Kontrast | 6.000:1 (mit dynamischem EBL) |
| Farbraumabdeckung | Bis zu 110 % Rec.2020 |
| HDR-Unterstützung | Dolby Vision, HDR10+, HDR10, HLG |
| 3D-Unterstützung | Aktiv (Shutterbrillen) |
| Projektionsgröße | 80 bis 200 Zoll (ca. 203 bis 508 cm) |
| Betriebssystem | Google TV (8 GB RAM, 128 GB Speicher) |
| Gaming-Features | ALLM, VRR, 4K@60Hz (ca. 9 ms), 1080p@240Hz (ca. 4 ms) |
| Anschlüsse | 3x HDMI 2.1 (1x eARC), 1x DisplayPort, 2x USB, LAN, S/PDIF, Audio Out (3,5 mm) |
| Konnektivität | Wi-Fi 7, Bluetooth |
| Leistungsaufnahme | Um 130 Watt (Vollbetrieb) |
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