Audio-Technica hat diese Woche seinen neuen Over-Ear-Kopfhörer mit dem sperrigen Namen ATH-AL5NC vorgestellt. Es handelt sich hier um ein Open-Back-Modell, das also eher für den Gebrauch in ruhigeren Umgebungen, z. B. im Home-Office, prädestiniert ist. Allerdings sieht der japanische Hersteller durchaus auch Gamer als Zielgruppe an. Punkten will man aber nicht mit viel Klimbim, sondern mit dem Klang. Ob das gelungen ist, erkläre ich euch im Test.
Ungewöhnlich am Audio-Technica ATH-AL5NC: Trotz Open-Back-Bauweise gibt es eine Noise-Cancelling-Funktion. Im Vorfeld sei verraten: Ihr liegt jedoch richtig mit der Annahme, dass das offene Design hier Grenzen für die Geräuschunterdrückung setzt. Der Fokus liegt bei diesem Over-Ear-Kopfhörer zum Preis von 249 Euro ansonsten voll auf dem Klang. Und genau das hat sich meiner Ansicht nach auch ausgezahlt.
Technische Eckdaten des Audio-Technica ATH-AL5NC
| Typ | Offener, dynamischer Kopfhörer |
| Treiberdurchmesser | 53 mm |
| Frequenzgang | 20–40.000 Hz |
| Empfindlichkeit | 103 dB/mW |
| Impedanz | 52 Ohm |
| Ladezeit | Ca. 3,5 Stunden (abhängig von Betriebsbedingungen) |
| Betriebszeit | Musikübertragung: • Max. ca. 50 Stunden (Bluetooth an, Noise Cancelling an) • Max. ca. 75 Stunden (Bluetooth an, Noise Cancelling aus) |
| Gewicht | Ca. 240 g |
| Mikrofon | Kopfhörer: MEMS Kabel: Elektret-Kondensator |
| Mikrofon – Empfindlichkeit | Kopfhörer: -38 dB (1 V/Pa, bei 1 kHz) Kabel: -42 dB (1 V/Pa, bei 1 kHz) |
| Mikrofon – Frequenzgang | Kopfhörer: 50–10.000 Hz Kabel: 100–10.000 Hz |
| Mikrofon – Richtcharakteristik | Kopfhörer: Omnidirektional Kabel: Omnidirektional |
| Stromversorgung | DC 3,85 V Lithium-Polymer-Akku |
| Lieferumfang | • USB-Ladekabel (50 cm, USB-A auf USB-C) • Kabel mit Inline-Mikrofon und Steuerung (1,2 m / 3,5 mm, 4-polig, L-förmig) • Tasche |
| Separat erhältlich | • Ohrpolster • Kabel mit Inline-Mikrofon und Steuerung |
| Hinweis | Produkt kann ohne Vorankündigung geändert werden. |
| Bluetooth-Version | Bluetooth 5.3 |
| Maximale Reichweite | Sichtverbindung – ca. 10 m |
| Maximale Sendeleistung | 12 mW EIRP |
| Frequenzband | 2,402 GHz bis 2,480 GHz |
| Modulationsverfahren | GFSK, Pi/4DQPSK, 8DPSK |
| Spread-Spektrum-Verfahren | FHSS |
| Bluetooth-Profile | A2DP, AVRCP, HFP, HSP |
| Unterstützte Codecs | LDAC, AAC, SBC |
| Kopierschutz | SCMS-T |
| Übertragungsband | 20–40.000 Hz (LDAC, 96 kHz Sampling, 990 kbps) 20–20.000 Hz (44,1 kHz Sampling) |
Einerseits nutzt der Audio-Technica ATH-AL5NC recht große 53-mm-Treiber. Üblich sind eher 40-mm-Driver. Zudem liegt dank Unterstützung des Bluetooth-Codecs LDAC die Zertifizierung für Hi-Res Audio Wireless vor. Auch Bluetooth Multipoint wird unterstützt. So könnt ihr z. B. schnell zwischen einem gekoppelten Smartphone und eurem Notebook wechseln.
Ausstattung und Verarbeitung
Der Audio-Technica ATH-AL5NC wiegt nur 240 g und das merkt man definitiv. Schon beim ersten Herausnehmen aus der Verpackung fällt auf, wie leicht sich die Over-Ears anfühlen. Auch der Tragekomfort gewinnt dadurch spürbar. Zumindest ich habe aufgrund des Open-Back-Designs kaum unter den Kopfhörern geschwitzt und ein wirklich luftiges Gefühl gehabt.
Der Hersteller nutzt dabei eine Materialkombination aus Plastik und Metall. Die "durchlöcherten" Außenseiten der Ohrmuscheln sind etwa aus Metall, was auch für die inneren Streben des Kopfbügels gilt. Teile des Gehäuses sind jedoch aus Kunststoff. Sowohl Außen- als auch Innenseite des Kopfbügels sind dabei mit einem weichen Stoff überzogen. Die innere Polsterung dürfte nach meinem Empfinden gerne etwas dicker ausfallen. Es entsteht aber dennoch kein Druckgefühl auf dem Kopf, was wohl mit dem geringen Gewicht zusammenhängt.
Auffällig ist für mich, dass der Audio-Technica ATH-AL5NC bereits auf der niedrigsten Stufe auf meinen Kopf passt. Bei Konkurrenzmodellen muss ich üblicherweise 2-3 Stufen verstellen. Auch die Ohrmuscheln saßen bei mir direkt wie angegossen. Die Japaner setzen nicht auf Kunstleder, sondern auf einen Stoffüberzug für die Ohrpolster. Rechts sitzt dabei die Taste zur Steuerung der Geräuschunterdrückung.
An der linken Ohrmuschel findet ihr den USB-C-Ladeanschluss, die Lautstärkeregelung und den Powerbutton. Auch ein 3,5-mm-Port sitzt dort. Über jenen könnt ihr den Kopfhörer mit dem beiliegenden 1,2 m langen Kabel mit Inline-Mikrofon ebenfalls mit Zuspielern verbinden. USB-Audio funktioniert hingegen nicht. Neben dem erwähnten 3,5-mm-Kabel und einem USB-C-Kabel zur Aufladung gehört auch eine schwarze Kunstledertasche zum Lieferumfang.
Das Design des Audio-Technica ATH-AL5NC ist dabei relativ rustikal und eher typisch für Hi-Fi-Modelle. Die freiliegenden Kabel an den Ohrmuscheln kennt man etwa von solchen Open-Back-Kopfhörern. Das wird dem einen gefallen, vom anderen vielleicht als rustikal empfunden werden. Generell mutet der ATH-AL5NC eher wie ein typischer Hi-Fi-Kopfhörer an als wie ein ANC-Bolide von Konkurrenten wie Bose, Sony und Co.
Praxistest des Audio-Technica ATH-AL5NC
Bei Kopfhörern konnte ich in meinen letzten Tests meistens feststellen, dass die tatsächlichen Akkulaufzeiten eher über den Herstellerangaben liegen. Wobei man hier natürlich die zunehmende Alterung und die damit verbundenen Laufzeitverluste bedenken sollte. Jedenfalls übertrifft hier auch Audio-Technicas ATH-AL5NC die Herstellerangaben, sodass ich statt der nahegelegten 75 Stunden eher bei über 80 Stunden gelegen habe. Allerdings spielen hier viele Faktoren hinein - etwa eure Hörlautstärken, wie viel ihr kontinuierlich am Stück hört, ob NC Verwendung findet, etc.
Die Begleit-App A-T Connect ist eher von der rustikaleren Sorte, aber übersichtlich gestaltet. Ihr könnt hier auch einen Low-Latency-Modus fürs Gaming aktivieren, der sich aber mit LDAC gegenseitig ausschließt. Das hat in meinem Test in Kombination mit meinem Gaming-PC gut funktioniert, sodass die Kopfhörer tatsächlich auch fürs Gaming sehr angenehm sind. Das sage ich allerdings als reiner Singleplayer-Fan. Multiplayer-Spielern wird sicherlich ein Bügelmikrofon fehlen.
Die Geräuschunterdrückung ist so eine Sache. Schließlich steht der Audio-Technica ATH-AL5NC für einen Open-Back-Kopfhörer. Ja, es werden durchaus monotone Umgebungsgeräusche etwas abgemildert. Im Fitnessstudio aber wurde der Härtetest wenig überraschend nicht bestanden, einfach weil es auch schon an einer passiven Isolierung fehlt. Für solche Szenarien bewirbt Audio-Technica die Over-Ears aber ja auch nicht. Eher kann NC z. B. daheim eine Hilfe sein, um vielleicht das sonore Lüfterrauschen eines Gaming-PCs etwas auszublenden.
Der Sound Leakage Reduction Mode geht dann wiederum anders vor. Er soll umgekehrt dafür sorgen, dass eure Umgebung trotz Open-Back-Designs des ATH-AL5NC nicht direkt mit eurer Musik mitwippt. Per se klappt das auch einigermaßen solide, verschlechtert allerdings die Audioqualität und sorgt für einen sehr "trockenen", sterilen Sound. Kann man also mal als Notlösung nutzen, ist aber nicht ideal.
Kommen wir aber nun zum Entscheidenden: dem Klang. Der ist extrem stark! Ich habe jedenfalls lange keinen Bluetooth-Kopfhörer mehr mit so einem guten Sound genutzt. So habe ich den Equalizer gar nicht bemühen müssen. Die Werkseinstellungen oder der Equalizer in der Standardeinstellung "Original" liefern einen extrem ausgewogenen Sound. Da müssen keine Bässe angehoben werden, die sind so schon mächtig genug. Selbst meine herausfordernden, noisigen Shoegaze-Songs wie "Prism" von Seventeen Years Old and Berlin Wall haben den ATH-AL5NC nicht ins Schwitzen gebracht. Im Gegenteil, so sauber und luftig habe ich das Lied, ein echter Härtetest, lange nicht mehr gehört.
Auf dem Papier beherrscht der Audio-Technica ATH-AL5NC die Wiedergabe mit 24 Bit und 96 kHz, was aber in aller Regel eher ein theoretischer Vorteil bleiben bzw. am Ausgangsmaterial scheitern wird, das euch Streaming-Dienste so liefern. Trotzdem lohnt es sich, LDAC als Bluetooth-Codec gegenüber SBC und AAC zu bevorzugen - haben ist besser als brauchen. Auf jeden Fall bin ich vom dynamischen, klaren Sound der Kopfhörer wirklich sehr angetan. Selbst bei Lärmkaskaden kann ich z. B. einzelne Gitarrenspuren sauber heraushören, Keyboard-Arrangements sind klar abgegrenzt und gehen nicht unter. So soll das sein.
Von der guten Differenzierung der Kopfhörer profitiert auch klassische Musik. Im Grunde bietet es sich also an, mit den Over-Ears anspruchsvollere Arrangements zu genießen. Zumindest mir hat das wirklich Spaß gemacht.
Mein Fazit
Der Over-Ear-Kopfhörer Audio-Technica ATH-AL5NC liefert exzellenten Sound, der die meisten anderen Modelle in dieser Preisklasse aus meiner Sicht deutlich hinter sich lässt. Das geringe Gewicht und das luftige Open-Back-Design sorgen zudem für einen hervorragenden Tragekomfort. Die NC-Funktion ist jedoch aus meiner Sicht ein geringer Mehrwert, der euch vor allem zuhause unter spezifischen Bedingungen (PC-Lüfter) etwas bringt.
Ähnlich verhält es sich mit dem Sound Leakage Reduction Mode, der zu Kompromissen mit dem Klang führt. Das gilt zwar auch für den Low-Latency-Modus, der LDAC ausschließt, aber dennoch im überdurchschnittlichen Bereich bleibt und sich sehr gut für Singleplayer-Titel eignet. Denn da ist der Audio-Technica ATH-AL5NC ergonomischer als die meisten Gaming-Headsets.
Im Gesamtbild gefällt mir der auch gut verarbeitete Kopfhörer wirklich gut. Bedenken solltet ihr, dass der Audio-Technica ATH-AL5NC aber weniger ein idealer Begleiter zum Pendeln ist und mehr zum gepflegten Musikhören oder Zocken in den eigenen vier Wänden. Genau da spielt er seine Stärken aus.
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1 month ago
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