Apple hat die Apple Watch Ultra 4 zur Keynote der iPhones am 9. September vorgestellt. Seit dem 18. September liegt sie in den Läden und kann für 899 Euro erworben werden. Das ist derselbe Preis wie bei der Ultra 3, was in diesem Jahr keine Selbstverständlichkeit ist, auch wenn hier nicht ganz so viel Technik drinsteckt. Äußerlich hat sich fast nichts getan, Apple hat sich stattdessen mal wieder auf die Innereien konzentriert.
Ich habe die Ultra 4 seit dem Start am Arm und dachte mir, es wäre an der Zeit für einen kleinen Erfahrungsbericht. Eines vorweg: In Deutschland fehlt der Uhr ein guter Teil von dem, was Apple auf der Bühne gefeiert hat, aber dazu gleich mehr.
Das Design
49 Millimeter Titan, schwarz oder natur, dazu das eckige Gehäuse mit der orangen Action-Taste links. Wer die Ultra 3 kennt, wird die Ultra 4 nicht als neu erkennen, eben weil beide zumindest von oben genau gleich aussehen.
Daher bleibt auch die Verarbeitung auf dem Niveau, das man für den Preis erwarten darf. Alles sitzt perfekt und fühlt sich gewohnt wertig an. Durch das Titan bekommt ihr Kratzer sicher in das Gehäuse, da müsst ihr euch aber wirklich sehr große Mühe geben.
Die Uhr ist bis 100 Meter wasserdicht, für Sporttauchen bis 40 Meter zugelassen und hat immer noch die bekannten Tauchcomputer-Funktionen im Bauch. Dazu kommen 5G, Notruf per Satellit und der ganze Outdoor-Kram, den Apple seit der ersten Ultra verbaut. Der Action-Button ist immer noch da und lässt sich frei belegen.
Das Display ist groß, hell und auch bei Sonne gut abzulesen. Wenn Licht in einem bestimmten Winkel aufs Glas fällt, spiegelt es allerdings, und dann wischt man sich schon mal die Sonne aus den Augen. Ein echtes Manko ist das nicht, aber wer viel draußen unterwegs ist, sollte es wissen.
Beim Design bin ich inzwischen auch der Meinung, dass Apple sich gern etwas Neues einfallen lassen kann. Vielleicht tut sich ja mit dem Wechsel von Cook zu Ternus etwas, aber wir wollen den Tag ja nicht vor dem Abend loben.
Vier Generationen mit demselben Gehäuse sind eine lange Zeit. Zumindest eine neue Farbe oder ein anderes Finish wäre drin gewesen, statt immer nur Schwarz und Natur. Ja gut, Schwarz gab es bei der ersten Ultra ja noch nicht.
Die Innereien
Unter der Haube steckt der neue S11-Chip, und der liefert zusammen mit einem umgebauten Sensorsystem die interessantesten Neuerungen. Apple nennt das Ganze Health Sensing System. Die Elektroden auf der Rückseite wurden neu angeordnet, die Photodioden und die grünen LEDs überarbeitet.
Die Folge ist, dass die Uhr die Herzfrequenz jetzt alle fünf Sekunden misst statt nur alle fünf Minuten außerhalb des Trainings. Die Herzfrequenzvariabilität wird alle fünf Minuten erfasst, vorher waren es zwei Stunden. Das klingt nach Metrik-Angeberei, hat im Alltag aber Folgen. Die Uhr bekommt dadurch ein viel genaueres Bild davon, was euer Herz über den Tag macht, und nicht nur beim Sport.
Bei mir deckte sich die Messung während des Trainings fast schlaggenau mit einem Polar-Brustgurt, den ich testweise anlegte (und eigentlich so gut wie nie nutze). Auch die Schrittzählung wurde überarbeitet. Ich bin mit der Ultra 4 links und der Ultra 3 rechts eine definierte Strecke gelaufen, die Differenz lag pro Durchgang bei höchstens 50 Schritten in beide Richtungen. Minimale Abweichung also, aber kein Grund, sich über ein paar fehlende Schritte zu ärgern.
Blutsauerstoff, Temperatur und EKG sind weiter mit an Bord, ebenso die Warnungen bei zu hohem oder zu niedrigem Puls. Neu ist ein Wert, den Apple schon lange schuldig war: die Tagesform oder auch Readiness Score. Sie fasst Schlaf, nächtliche Vitalwerte und eure Aktivität zusammen und gibt einen Wert zwischen 0 und 10 aus, den die Uhr in Worte übersetzt, von "Erholen" über "Kräfte einteilen" und "Bereit" bis "Leg los".
Wer den Wert sehen will, braucht mindestens sieben Nächte mit Daten und in jeder Nacht mindestens vier Stunden Schlaf. Es ist also nach dem Kauf etwas Geduld gefragt. Danach ändert sich der Wert im Tagesverlauf, ein langes Training zieht ihn nach unten.
Ich habe den Wert als nützlich empfunden, bin aber auch die Empfehlungen von Whoop gewohnt. An dieser Stelle der Hinweis: Ja, mit der neuen Health-App (dazu gleich mehr) und dem Readiness-Score plus der genaueren Herzfrequenz-Messung brauchen Träger einer Watch UND des WHOOP-Bandes das letztgenannte meiner Meinung nach nicht mehr.
Das teure Abo kann man dann also aus dem Budget nehmen. Dennoch wird euch der Score nicht erziehen, sondern euch nur ermahnen. Was mir fehlt, ist der Blick zurück. Es gibt keine Verlaufskurve für die Tagesform, nur den aktuellen Tag. Wer wissen will, ob es über Wochen besser wird, schaut in die Röhre.
Die neue Health-App - noch nicht in DE
Die neue Health-App mit Insights, Gesundheitsalter und den ausführlichen Auswertungen ist an iOS 27.2 gebunden und erscheint zunächst nur auf Englisch. Ich habe das zwar genutzt, weil ich ohnehin auf der Beta-Welle surfe und alle meine Geräte auf Englisch (US) eingestellt sind, das wird aber nicht für jeden gelten. Wer darauf wartet, sollte den Kauf nicht von diesen Funktionen abhängig machen.
Dasselbe gilt für die KI-Funktionen. Apple hat mit Live Rewind, einer Transkription der letzten 15 Sekunden, und Siri Recap, das Gespräche zusammenfassen kann, viel Aufmerksamkeit erzeugt. Beide hängen an Siri AI, und Siri AI ist in Deutschland nicht verfügbar.
Wann sich das ändert, sagt Apple nicht und macht dies auch von der EU abhängig. Ihr solltet die Uhr deshalb im Moment ohne diese Funktionen bewerten, und genau das tue ich hier. Was hierzulande funktioniert, ist die automatische Musikerkennung über Shazam und die Geräuscherkennung. Die kennt Klingel, Sirene oder weinendes Baby und meldet sich auf der Uhr. Fehlalarme hatte ich keine.
Der Akku
Bisher war die Laufzeit das Hauptargument für die Ultra, und Apple legt hier nochmal nach. Offiziell nennt der Konzern bis zu 50 Stunden im Normalbetrieb, im Energiesparmodus bis zu 84 Stunden. Ich habe sie im Alltag meist nach zwei bis drei Tagen auf den Ladepuck gelegt, muss aber dazu sagen, dass ich eher zu den Power-Usern zähle, was Mitteilungen, Workouts und Co. betrifft. Der normale Nutzer sollte hier auch mit mehr Tagen fahren können.
Dazu kommt das schnellere Laden. 15 Minuten am mitgelieferten Ladekabel bringen bis zu 18 Stunden Laufzeit, vorher waren es 12. Aber Obacht: Der neue Puck sieht identisch aus wie der alte, ihr erkennt ihn also nicht am Kabel. Und wenn ihr eine ältere Ladestation nutzt, lädt die Ultra 4 dort nur mit deren Maximalleistung. Hier ist es vielleicht ratsam, den Puck zu markieren, damit ihr ihn unterscheiden könnt.
Für Ausdauersportler gibt es zwei neue Trainingsmodi. Der Extended-Modus schafft 25 Stunden am Stück, der Max-Extended-Modus bis zu 45 Stunden. Der zweite kostet aber Features. GPS fällt auf Einzelband zurück, die Herzfrequenz wird nur noch als rollender Fünf-Minuten-Schnitt erfasst, Splits und Alarme fallen weg. Für einen Ultramarathon ist das trotzdem eine Ansage. Hier kämpft Apple offenbar um die Aufmerksamkeit der ganz aktiven Zielgruppe. An die Wochen der Laufzeit einer Garmin kommt sie dennoch nicht heran.
Was mir im Alltag auf den Keks ging
Das neue dynamische App-Raster, das ihr über die Digital Crown öffnet, zeigt die fünf meistgenutzten Apps. Die Idee ist nicht schlecht, aber die Auswahl lässt sich nicht festlegen. Da tauchen auch mal Apps auf, die ich quasi nie nutze. Ich will auch eine Option haben, um das gänzlich abschalten zu können.
Bei den Sportmodi gibt es weiter keinen Wiederholungszähler fürs Krafttraining. Nur beim Schwimmen zählt die Uhr die Züge mit. Für eine Uhr, die sich an Sportler richtet, ist das eine Lücke, die seit Jahren nervt. Generell ist der Support beim Krafttraining eher dröge.
Mein Fazit
Die Apple Watch Ultra 4 ist die beste Apple Watch, die ihr kaufen könnt - surprise. Der Akku hält gut durch, die Messwerte sind genauer, und die Tagesform bringt eine sinnvolle Zusammenfassung, die es vorher nicht gab. Wer von einer älteren Ultra oder von einer normalen Apple Watch kommt, bekommt hier einen guten Sprung. Drei Monate Fitness+ gibt es beim Kauf dazu, der Satellitennotruf ist die ersten zwei Jahre kostenlos.
Wer dagegen die Ultra 2 oder Ultra 3 zu Hause hat, kann sich das Geld sparen. Solange Siri AI und die neuen Health-Funktionen in Deutschland fehlen, sind die Unterschiede zum Vorgänger zu klein, um 899 Euro zu rechtfertigen.
Android-Nutzer sollten ohnehin woanders schauen, die Ultra bleibt iPhone-exklusiv. Und wer schmale Handgelenke hat, sollte sie vorher anprobieren, wuchtig bleibt wuchtig.
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4 weeks ago
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