Der Herbst 2026 hat uns Apple-technisch ein wirklich kurioses Line-up beschert. Wer auf ein Standard-Modell gewartet hat, sucht vergebens, Apple konzentriert sich in diesem Jahr voll auf das Pro, das Pro Max und das neue iPhone Duo. Ich habe mir das „kleine“ iPhone 18 Pro in den letzten Tagen ganz genau angeschaut und im Alltag auf Herz und Nieren geprüft. Und um es direkt vorwegzunehmen: Nicht alles, was glänzt, ist komplett neu, aber an den richtigen Stellschrauben wurde gedreht.
Design, Display und ein Lade-Upgrade
Optisch bleibt beim iPhone 18 Pro fast alles beim Alten, abgesehen von einer neuen Farbpalette und einer neuen Handgelenksschlaufe, die an das entsprechende Cover geklippt werden kann. Auf der Vorderseite liefert die Dynamic Island nun einen echten Mehrwert für Multitasker: Sie kann ab sofort bis zu drei Live-Aktivitäten gleichzeitig anzeigen. Leider waren noch nicht alle Apps bei mir optimiert, sodass ich nicht immer das perfekte Zusammenspiel hatte (ein Side-eye geht rüber zur Hörspielzentrale).
Der wahre Sprung findet unter der Haube statt. Apple verbaut den neuen A20 Pro Chip, der im effizienten 2-Nanometer-Verfahren gefertigt ist. Die Architektur mit ihren sechs Kernen (darunter zwei Hochleistungs-Kerne) leiht sich einen Trick von den M-Chips aus den Macs: Der Arbeitsspeicher sitzt nun direkt neben den Rechenkernen. Apple verspricht hier 40 Prozent mehr Leistung. Auch die Wärmeableitung wurde intern überarbeitet, was dem Gerät bei Dauerlast zugutekommt. Sprich: Es wird punktuell beim Zocken oder Nutzen dicker Video-Brocken nicht so heiß, das Ganze wird besser abgeleitet.
Apple unterstützt endlich richtiges Fast-Charging. Das Gerät zieht über Kabel nun weit über 40 Watt aus der Steckdose. Wenn ich mit einem vorher nicht aufgeladenen iPhone von meiner 10-Kilometer-Laufrunde durch den Park zurückkomme und der Akku durch GPS-Tracking und Musik-Streaming gelitten hat (wobei das so viel gar nicht ist), reichen knapp 10 Minuten am Kabel, während ich unter der Dusche stehe, um das Gerät wieder für den Resttag fit zu machen.
Das ist ein Komfortgewinn gegenüber der alten Generation, die dafür länger braucht. Fairerweise muss man sagen: Passte mir vorher schon alles gut, hatte in meinem Workflow und Alltag selten Wartezeit-Probleme beim Laden. Und übrigens: Der Akku ist dicker als beim Vorgänger, wie lange er letzten Endes durchhält, ist aber Nutzersache. Wenn ich unterwegs bin und irgendwie per WireGuard verbunden bin, ist diese App schuld daran, wenn ich früher an den Lader muss. Das gilt auch für alles, was irgendwie relativ Echtzeit ist, wie dauerndes Abfragen irgendwelcher Social Networks, das saugt aber mal richtig.
Die Kameras: Was ist alt, was ist neu?
Apple verkauft gerne das gesamte Kamerasystem als neu, aber schauen wir mal genau auf die Spezifikationen. Drei der vier Kameras kennen wir hardwareseitig bereits exakt so aus dem Vorjahr:
- Teleobjektiv: 48 Megapixel, 4-facher optischer Zoom, Blende f/2.8, exakt die Hardware aus dem 17 Pro.
- Ultraweitwinkel: 48 Megapixel, Blende f/2.2, ebenfalls 1:1 aus dem Vorjahr übernommen.
- Selfie-Kamera: Die tolle Center-Stage-Kamera mit automatischem Tracking, die mit dem 17 Pro eingeführt wurde, ist wieder mit an Bord.
Der eigentliche Star und die einzige echte Hardware-Neuerung bei den Linsen ist die Hauptkamera (1x). Apple verbaut hier erstmals eine variable, physische Blende mit sechs haarfeinen Lamellen, die sich stufenlos von extrem lichtstarken f/1.48 bis auf f/4.0 schließen lässt.
Variable Blende in der Praxis: Segen oder Spielerei?
In der Theorie bringt f/1.48 deutlich mehr Licht auf den Sensor, was den ISO-Wert unten hält und für rauschärmere Nachtaufnahmen sorgt, ohne dass der Nachtmodus einspringen muss. In der Praxis hat die Physik aber bei diesen winzigen Sensoren ihre Grenzen. Schießt man mit offener Blende (f/1.48), wird das Bild zwar in der Mitte schön scharf, fällt aber zu den Ecken hin in der Schärfe ab. Wer Landschaftsaufnahmen knipst, sollte die Blende manuell lieber in Richtung f/2.8 schließen. Achtet aber drauf: Apple ist pfiffig und gibt vier Blendenöffnungen vor, die quasi ein guter Standard sind.
Manuelle Kontrolle: Pro-Modus mit Eigenheiten
Apple öffnet die Standard-Kamera-App endlich für manuelle Eingriffe, das dürfte die Foto-Cracks freuen. Wer den „Pro Control Modus“ in den Einstellungen aktiviert, bekommt Zugriff auf Verschlusszeit, manuelle Blendenwahl, einen echten Weißabgleich und ein permanentes Histogramm. Perfekt ist das UI aber noch nicht, ISO fehlt bei mir noch. Bonustipp: Wer seine manuellen Settings liebt, muss zwingend in den iOS-Einstellungen unter Kamera den Punkt „Einstellungen beibehalten“ aktivieren, sonst setzt das iPhone Blende und Shutter nach jedem Schließen der App wieder fröhlich auf Automatik zurück. Also wer wirklich viel rausholen will aus der Cam, der hat nun noch mehr Optionen.
Das Problem für mich: In den meisten spontanen Situationen hatte ich keine Zeit, da viel herumzuuhrwerken. Dennoch: Ein paar wenige Fotos auf einem Konzert gemacht (bin eher der Typ "living the moment"), da konnte ich auch mit hohem Zoom von hinten richtig gute Fotos machen. Echt gut.
Immerhin: Durch vorgefertigte Style kannste schon eine Menge Schönes in die Bilder zaubern - und eine nachträgliche Bearbeitung ist ja auch mit drin. Wobei ich bei meinen privaten Fotos Fan von ungeschönten Aufnahmen bin, die die Realität so zeigen, wie sie ist. Verschiedene Fotos findet ihr hier, viel Schnappschüsse aber. Und hier gleich einmal Kritik an Apples Software: Shame on you, Apple: Ich kann keine Alben mehr teilen, die von Anfang an nur Leserecht beinhalten.
Autofokus-Tracking und neue Video-Features
Ich habe noch nicht großartig gefilmt, doch ich habe mir das Ganze schon sehr genau angeschaut und nebenher ausprobiert: Der Autofokus hat ein massives Update bekommen. Das neue Objekt-Tracking klebt förmlich am Motiv.
Beispiel: Wenn ich am Wochenende meinen Sohn beim Fußball knipse oder filme und er kurz aus dem Bild rennt oder von anderen Spielern verdeckt wird, findet der Fokus ihn im Bruchteil einer Sekunde wieder, sobald er im Frame auftaucht. Aufgepasst: Sobald ihr die Aufnahme stoppt, vergisst das iPhone das getrackte Motiv. Ihr müsst es für den nächsten Clip wieder per Doppeltipp neu anvisieren.
Im Bereich Video gibt es zwei weitere Neuerungen. Zum einen können Zeitraffer (Time-Lapses) in 4K und HDR aufgezeichnet werden. Zum anderen unterstützt der Kino-Modus (Cinematic Mode) nun 60 Bilder pro Sekunde.
KI-Bearbeitung und das dicke EU-Aber
Mit iOS 27 ziehen neue Funktionen von Apple Intelligence in die Bildbearbeitung ein. Über Reframe und Extend könnt ihr Bilder nachträglich im Zuschnitt ändern, wobei die generative KI fehlende Randbereiche wie Himmel oder Wände einfach passend hinzurechnet.
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Solche Bilder werden in den Metadaten künftig über den Synth-ID-Standard wohl als KI-modifiziert markiert. Die gute Nachricht: Da diese Bildmanipulation lokal über die Neural Engine auf dem A20 Pro gerechnet wird, funktionieren Reframe und Erweitern erfreulicherweise auch direkt bei uns in der EU ohne Umwege.
Ganz ohne dicken Wermutstropfen kommen wir in Europa wegen der anhaltenden Querelen zwischen Apple und der EU-Kommission rund um den Digital Markets Act aber trotzdem nicht davon. Das betrifft vor allem die neue (deutlich schlauere?) Siri-Architektur.
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Und der Frust geht beim heiß diskutierten Reference Image weiter. Die Idee dahinter ist genial: Um Journalisten und Fotografen eine Waffe gegen Fakes an die Hand zu geben, versieht der neue 1x-Hauptsensor das Foto direkt auf Hardware-Ebene mit einer kryptografischen Signatur. Jede noch so kleine Bearbeitung lässt sich danach über einen Abgleich mit Apples Servern transparent nachweisen, um zu belegen, wie die Aufnahme unberührt aus der Linse kam. Doch wer gehofft hat, dieses Feature hierzulande für eigene Fotos nutzen zu können, guckt in die Röhre: Das aktive Erstellen und Signieren eigener Reference Images ist in der EU zum Marktstart gesperrt.
Ebenfalls überarbeitet wurden die Fotografischen Stile. Die Basis-Stile sind altbekannt, neu ist jedoch der Reiter Textur. Hier lassen sich Effekte wie Soft Skin, Glow für ein sanftes Überstrahlen der Highlights oder Film inklusive einem überraschend authentischen Filmkorn stufenlos einstellen. Kombiniert man den Quiet-Stil mit der Film-Textur und etwas Korn, bekommt man einen großartigen Look, der stark an alten Kodak-Farbfilm erinnert.
Fazit
Das iPhone 18 Pro ist ein echtes Werkzeug für Kamera-Nerds geworden. Die variable Blende, die Pro-Controls und das fantastische Autofokus-Tracking sind klasse Werkzeuge, auch wenn die physische Blende auf dem kleinen Sensor bei Weitem nicht die Magie einer echten DSLM entfaltet. Ach, was rede ich.... nicht nur für Kamera-Nerds. Wenn selbst ich mich nun mit dem Kamera-Button anfreunden kann, weil ich ihn nun angepasst habe, dann heißt das schon etwas.
Kleine Randgeschichte dazu: Ich war mit dem Michael Reimann von Apfeltalk auf dem Konzert der Fanta 4. Schräg vor uns bemerke ich jemanden, der den Kamera-Button nutzt. Ich beobachte das fasziniert, weil ich das erste Mal im echten Leben jemanden sah, der das benutzt. Schaue zu Michael rüber, der ebenfalls fasziniert schaut. Auch für ihn war das ein "first". Viel Gelächter unsererseits. Das nur am Rande.
Das Laden mit über 40 Watt und der extrem starke A20 Pro Chip machen das Gerät im Alltag zu einem echten Dauerläufer. Wie aber erwähnt: Es gibt Apps, die einfach unnormal am Akku ziehen. Dass Reframe und Erweitern bei uns an Bord sind, ist erfreulich.
Aber? Wer aktuell ein iPhone 17 Pro besitzt, kann dieses Jahr meiner Meinung nach ganz entspannt aussitzen. Die alten Kameras sind bis auf die 1x-Linse identisch und weiterhin hervorragend. Wer jedoch von einem älteren Gerät kommt, erlebt hier in Sachen Performance, Ladezeiten und manueller Kamera-Kontrolle einen Sprung nach vorn. Gilt ja eigentlich immer.
Und wer es sich schönreden möchte: Innerhalb von Familien lassen sich iPhone-Generationen perfekt nach unten vererben. Wenn unten eins rausfällt, muss oben eben ein neues angeschafft werden. 😉 Die Kisten arbeiten auch nach vielen Jahren fantastisch (meiner Meinung nach), sodass es sich für Langzeitnutzer echt rechnet, auch wenn die Preise natürlich schon lange nicht mehr so sind wie früher. Ansonsten gilt: Das Pro ist schon ein Killer, welches sicherlich viele aufgrund des Namens kaufen, ohne es auszureizen. Ich bin schon harter Nutzer und reize die Cam nicht einmal aus. Deshalb bin ich auch schon gespannt auf das Non-Pro-Modell. Bereits im vergangenen Jahr konnte ich schreiben, dass das der heimliche Star war.
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1 month ago
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