Die meisten Mähroboter lassen das abgeschnittene Gras auf dem Rasen liegen. Beim regelmäßigen Mähen ist das sinnvoll, bei längerem Schnittgut oder Laub hätte ich die Reste aber gern von der Fläche. Der Anthbot N8 bringt dafür einen Fangkorb mit und leert ihn selbstständig aus. Das ist nichts Neues, denn beispielsweise auch der von mir getestete Mammotion YUKA hatte das schon. Beim Wenden steht ihm der lange Korb allerdings gern im Weg, außerdem ist er lauter, als ich einen Mähroboter haben möchte. Aber fangen wir am Anfang an.
Anthbot bewirbt den N8 als 4-in-1-Gerät zum Mähen, Mulchen, Sammeln und Entfernen von Laub. Dahinter stecken zwei unterschiedliche Mähsysteme. Entweder sammelt der Roboter die Reste ein oder er verteilt sie wieder auf dem Rasen. Für den Wechsel reicht kein Schalter in der App, denn auch die Messerscheibe muss getauscht werden.
Aufbau und Einrichtung
Der N8 macht einen ordentlich verarbeiteten Eindruck. Mit montiertem Fangkorb braucht er allerdings deutlich mehr Platz, als der Blick auf den eigentlichen Roboter vermuten lässt. Bei der Suche nach einem Standort für die Ladestation sollte man deshalb die komplette Länge berücksichtigen. Irgendwo in eine enge Ecke würde ich ihn nicht stellen, denn zum Anfahren und Wenden braucht das Gespann Luft.
Oben gibt es die Stopptaste und ein paar Tasten für die Grundfunktionen, dazu Statusanzeigen. Ein Display fehlt. Die meisten Einstellungen erledigt ihr in der Anthbot-App, darunter auch die Schnitthöhe zwischen 3 und 7 Zentimetern. Die Schnittbreite beträgt 20 Zentimeter. Das ist angesichts des langen Geräts nicht besonders viel und bedeutet auf größeren Flächen entsprechend viele Bahnen. Einen Begrenzungsdraht muss man nicht verlegen. Der N8 nutzt RTK-Satellitennavigation und zwei Kameras. Die mitgelieferte RTK-Antenne braucht einen Standort mit möglichst freiem Blick zum Himmel aber das ist bei anderen Mähern auch so. Über sie bekommt der Mäher die Korrekturdaten für seine Position, die Kameras unterstützen ihn bei der Orientierung und erkennen Hindernisse.
Die Einrichtung über die App ging in meinem Fall unkompliziert. Nach dem Koppeln und der WLAN-Einrichtung prüft ihr die Firmware und legt die Karte der Rasenfläche an. Das lässt sich automatisch erledigen, alternativ steuert ihr den N8 selbst an der Grenze entlang. Die Automatik ist bequem funktioniert nur bei hart begrenzten Grundstücken. Wer etwas freiere Fläche hat, macht das besser direkt manuell und läuft mit dem Gerät an den Rändern entlang.
Der Mäher in der Praxis
Das Schnittbild des Mähers ist gut. Der N8 fährt geordnete Bahnen und schneidet den Rasen gleichmäßig. Beim Sammeln landet das Schnittgut im 23 Liter großen Korb am Heck, auf der Fläche bleibt kaum etwas zurück. Das ist für viele sicher der eigentliche Vorteil des Geräts. Gerade nach einer längeren Mähpause möchte ich die gröberen Reste nicht überall herumliegen haben. Eine eigene Bürste zum Einsammeln steckt nicht dahinter, so war es beim YUKA der Fall. Die Sammelscheibe erzeugt beim Drehen einen Luftstrom, der Gras und Blätter nach hinten in den Korb transportiert. Anthbot nennt das Cyclone-System. Es funktioniert gut, benötigt aber Drehzahl und macht entsprechend Geräusche.
Auch die automatische Entleerung hat im Alltag zuverlässig geklappt. In der App legt ihr einen Abladebereich fest. Ist der Korb voll, fährt der Roboter dorthin, kippt den Inhalt aus und setzt seine Arbeit fort. Das passiert auch am Ende des Auftrags. Ich muss also nicht während des Mähens ständig nachsehen, ob ich den Korb leeren sollte. Der Abladebereich muss in der kartierten Mähfläche liegen und braucht Platz. Bis zu fünf solcher Bereiche lassen sich anlegen. Den Inhalt bringt der N8 weder in die Biotonne noch auf einen erhöhten Kompost. Am Ende liegen Gras und Laub an der festgelegten Stelle, von dort müsst ihr sie selbst wegbringen. Das sollte man bei der Standortwahl bedenken, sonst liegt der Haufen nachher ausgerechnet dort, wo er stört.
Beim Laub ist das System auch praktisch. Die Fläche ist nach den Fahrten weitgehend frei, auch wenn einzelne Blätter liegen bleiben können. Das sollte für das Gros der Nutzer reichen, denn einen guten Teil der Arbeit mit dem Rechen nimmt der N8 damit ab. Ein Mäher, der die Blätter nur zerkleinert und auf der Fläche verteilt, hilft nicht wirklich. Wer ausschließlich Laub aufnehmen möchte, kann die Schnitthöhe hochsetzen. Liegt der Rasen darunter, wird er dabei kaum gekürzt. Prüft vorher auch die Kameraempfindlichkeit, denn in der höchsten Stufe kann der N8 Laubflächen als Hindernis behandeln und ihnen ausweichen. Bei einem Gerät, das diese Blätter einsammeln soll, ist das eine etwas unglückliche Kombination.
Mulchen kann der N8 ebenfalls, dann bleiben die fein geschnittenen Reste als Dünger auf der Fläche. Das Ergebnis ist auch hier ordentlich. Dafür ersetzt ihr den Korb durch einen Deflektor, der den Rasenschnitt nach unten lenkt, und montiert die Mulchscheibe. Die Schrauben dafür sitzen unter dem Gerät. Als Umbau zum Saisonwechsel finde ich das vertretbar, ständig zwischen beiden Varianten wechseln möchte ich so aber nicht.
Bei der Hinderniserkennung gibt es wenig zu meckern. Gegenstände vor dem Gerät hat der N8 zuverlässig erkannt und umfahren. Der Fangkorb muss anschließend allerdings ebenfalls daran vorbeikommen und das klappt weniger gut. Beim Drehen schwenkt er weit aus und stößt gelegentlich gegen etwas, das der Roboter vorher durchaus erkannt hatte. Vorne anhalten und hinten trotzdem dagegenfahren ist schon ärgerlich. Mit Fangkorb fuhr er sich auch ab und zu fest, weil er mit seinem riesigen Hinterteil nicht gerechnet hat.
In engen Ecken fällt das besonders auf. Statt einfach in die nächste Bahn einzubiegen, muss der N8 rangieren. Je mehr Hindernisse und kurze Bahnen die Fläche hat, desto mehr Zeit verbringt er mit diesen Manövern. Auf einer offenen Rasenfläche fällt das weniger ins Gewicht. Für einen kleinen, vollgestellten Garten wäre er deshalb nicht meine erste Wahl, auch wenn er dort grundsätzlich mähen kann. Generell bleibt auch an den Rändern relativ viel stehen, den Trimmer solltet ihr also immer griffbereit haben.
Beim Sammeln ist der N8 außerdem deutlich lauter, als ich es von einem Mähroboter möchte. Das Geräusch erinnert eher an einen Akkurasenmäher als an das leise Surren vieler Mulchroboter. Man hört ihn während der Arbeit, und wer daneben auf der Terrasse sitzt, wird ihn nicht einfach vergessen. Den Mähplan würde ich entsprechend bewusst legen und die örtlichen Ruhezeiten berücksichtigen.
Schnell fertig ist der N8 dabei auch nicht. Die schmale Schnittbreite und die Wendemanöver verlängern die Arbeit, das Sammelsystem braucht außerdem Energie. Die beworbenen bis zu 1.500 Quadratmeter sind die vorgesehene Gesamtfläche, keine Reichweite mit einer Akkuladung. Anthbot nennt mit montiertem Korb rund 200 Quadratmeter pro Ladung. Wie viel es tatsächlich wird, hängt unter anderem vom Gras und von der Form der Fläche ab. Auf großen Grundstücken gehören Ladepausen deshalb zur Planung. Wenig durchdacht finde ich die Abdeckung des Fangkorbs. Dort sammelt sich Regenwasser in einer Mulde und bleibt bis zum nächsten Kippen stehen. Das verhindert die Arbeit nicht, eine Lösung für den Wasserablauf hätte ich bei einem Gartengerät trotzdem erwartet.
An der App habe ich insgesamt wenig auszusetzen. Karte und Zeitpläne sind gut zugänglich, Bereiche lassen sich getrennt bearbeiten. Auch Mährichtung und Schnitthöhe könnt ihr für einzelne Zonen einstellen. Sperrflächen helfen dort, wo der Roboter nicht hinfahren soll. Das ist praktisch bei empfindlichen Stellen oder Ecken, in denen man ihm die Rangiererei lieber erspart. Die deutschen Bezeichnungen sind dagegen stellenweise holprig. Man findet sich zurecht, bei manchen Menütexten muss man aber überlegen, was Anthbot wohl gemeint hat. Das sollte sich mit einem Software-Update beheben lassen.
Optional kann der N8 seine RTK-Korrekturdaten über das Mobilfunknetz beziehen. Dann braucht ihr keine eigene RTK-Antenne im Garten, seid aber auf den NetRTK-Dienst und passenden Empfang angewiesen. Anthbot legt ein Jahr 4G-Service bei, danach wird der Dienst kostenpflichtig. Mit der mitgelieferten Antenne ist dieses Abo für die RTK-Navigation nicht zwingend nötig. Einen laufenden Mobilfunkdienst würde ich also nur bezahlen, wenn mir die Variante ohne Antenne tatsächlich einen Vorteil bringt.
Mein Fazit
Der Anthbot N8 kostet im deutschen Hersteller-Shop aktuell 1.599 Euro. Für das Geld bekommt ihr einen Mähroboter mit gutem Schnittbild, brauchbarer App und einem Sammelsystem, das im Alltag wirklich Arbeit sparen kann. Dass er den Korb selbst leert, gehört dabei für mich unbedingt dazu. Sonst würde ich dem Roboter hinterherlaufen, obwohl er mir Arbeit abnehmen soll. Im Sammelbetrieb ist mir der N8 zu laut, und beim Wenden merkt man ihm den sperrigen Aufbau an. Dazu bleiben die Ränder Handarbeit. Mit diesen Schwächen muss man sich arrangieren, sie verschwinden durch die gute Grasaufnahme nicht. Besonders in engen Gärten kann ein kompakter Mäher die angenehmere Wahl sein.
Ich würde den N8 kaufen, wenn ich Schnittgut und Laub regelmäßig vom Rasen holen möchte und die Fläche genug Platz für das Gerät bietet. Dafür finde ich die 1.599 Euro nachvollziehbar. Wer feinen Rasenschnitt ohnehin liegen lässt und kaum Laub im Garten hat, bezahlt dagegen für einen Korb, den er selten braucht. Dann würde ich mir einen leiseren, wendigeren Mulchroboter suchen.
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1 week ago
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