AMD-OpenAI: Milliardendeal überrascht

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Amazon-Gründer Jeff Bezos denkt, die KI-Blase ist gut. Die AMD-Aktie steigt nach dem OpenAI-Deal. Google startet den KI-Modus in Deutschland. Der KI-Newsletter

9. Oktober 2025, 18:55 Uhr

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Suchen sie noch oder antworten sie schon? © [M] Alexander Hoepfner/​DIE ZEIT

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Kürzlich las ich: Die KI-Blase sei eine gute Blase. Denn die gesellschaftlichen Errungenschaften, die künstliche Intelligenz (KI) bewirke, würden das Platzen der Blase überdauern. Das sei anders als bei der Finanzkrise, meint Amazon-Gründer Jeff Bezos.

Dann wiederum werden mir Meldungen wie diese zugeschickt: Das Beratungsunternehmen Deloitte erstattet dem Land Australien Geld zurück, weil ein Bericht, den es für 439.000 australische Dollar im Auftrag des Landes erstellt hatte, offensichtlich falsche KI-generierte Informationen enthielt. Es holpert also immer noch mit dem KI-Einsatz in der Wirtschaft.

Aber ein Gutes hatte es: Ich habe die Meldung zuerst beim Österreichischen Rundfunk gelesen, und damit ein neues, wunderschönes Wort für KI-Inhalte von geringerer Qualität gelernt: "KI-Gatsch". 

Übersicht:

Das müssen Sie wissen: AMD gelingt ein überraschender Deal im Konkurrenzkampf mit Nvidia

Der Halbleiterhersteller AMD hat mit OpenAI eine Vereinbarung in Milliardenhöhe abgeschlossen. Das gab OpenAI am Montag bekannt. Ab dem zweiten Halbjahr 2026 soll AMD die ChatGPT-Firma OpenAI mit Chips beliefern. Außerdem bekommt OpenAI die Möglichkeit, bis zu zehn Prozent der Anteile des Unternehmens AMD zu kaufen.

OpenAI und AMD wollen gemeinsam Rechenzentren bauen, die insgesamt so viel Strom verbrauchen, wie sechs Atomkraftwerke produzieren. Dabei soll sich die Vereinbarung laut AMD-Finanzvorstand Jean Hu auf "mehrere zehn Milliarden Dollar" belaufen, wie es in der Mitteilung heißt, eine wichtige Umsatzzusage für den zuletzt eher schwächelnden Chipkonzern. Nach Bekanntgabe der OpenAI-Vereinbarung stieg der Aktienkurs von AMD am Montag um mehr als 30 Prozent auf rund 220 US-Dollar an. 

Der Deal ist auch deshalb überraschend, weil der Markt für Grafikprozessoren für KI-Anwendungen, sogenannte GPUs, derzeit von Nvidia dominiert wird. Das Unternehmen hatte Ende September angekündigt, sich mit 100 Milliarden US-Dollar an OpenAI beteiligen zu wollen, was Kritiker auf den Plan rief, weil OpenAI mit dem Geld wiederum wohl Nvidia-Chips kaufen dürfte. Das Geld könnte also einfach wieder an Nvidia zurückfließen.

Wohin Kreislaufwirtschaft-Deals wie dieser am Ende führen, ist derzeit vollkommen unklar: Oder wie es in dieser Woche mein Kollege Victor Gojdka aus unserem Geld-Ressort mit Blick auf die steigenden Börsenkurse durch KI formulierte: "Gewissheit in diesen Fragen ist derzeit noch rarer als die Hochleistungschips selbst."

Darüber sollten Sie nachdenken: Braucht es eine digitale Totenruhe?

Sind Ihnen zuletzt in den sozialen Medien Videos von Prominenten begegnet, die Sachen sagen, die sie nicht mehr sagen können, weil sie verstorben sind? Seit OpenAI in der vergangenen Woche die Video-KI Sora 2 veröffentlicht hat, tauchen KI-generierte Aufnahmen auf von Michael Jackson, der in seiner Küche Quatsch macht, von Stephen Hawking, der in einem Rollstuhl eine Halfpipe herabrauscht, von Kurt Cobain, der in einer Imbisskette Essen klaut.

Einerseits fasziniert das Millionen Nutzer. Klar, manche der Videos sind lustig, aber: Ist es in Ordnung, Tote binnen weniger Minuten künstlich auferstehen zu lassen, sie Dinge tun zu lassen, die sie zu Lebzeiten womöglich nie getan hätten, mit einer Technologie, die sie womöglich kritisch gesehen hätten? 

Man kann die Betroffenen nicht mehr fragen. Aber vielleicht sollte man zumindest Angehörigen zuhören, wenn sie sich beschweren. So wie Zelda Williams, Tochter des 2014 verstorbenen Schauspielers Robin Williams. 

Sie bekommt immer wieder KI-generierte Videos von ihrem verstorbenen Vater zugeschickt, schrieb sie vor wenigen Tagen auf Instagram – obwohl sie das nicht möchte. "Wenn ihr etwas Anstand habt, hört auf, ihm und mir das anzutun", schrieb sie. Die Videos seien dumm, eine Verschwendung von Zeit und Energie und schrecklicher TikTok-Slop, der "für einen kleinen Daumen hoch" erstellt würde. "Glaubt mir, das ist nicht das, was er gewollt hätte."

Das können Sie ausprobieren: Den KI-Modus von Google

Google hat angekündigt, seinen "KI-Modus" in Deutschland freizuschalten. Damit bekommt die Suchmaschine eine Art eingebauten Chatbot. Seit Mittwoch ist die Funktion in Deutschland verfügbar, aber nicht bei allen Nutzern. Manche Redaktionsmitglieder hatten zum Redaktionsschluss dieses Newsletters am Donnerstag noch keinen Zugriff. Vielleicht sind Sie ja bereits dabei.

Schon jetzt wird Nutzern bei manchen Suchanfragen oberhalb der üblichen Linkliste eine KI-generierte stichpunktartige Zusammenfassung angezeigt. Wer bei Google beispielsweise nach "Literaturnobelpreis Akademie" sucht, kann an dieser Stelle Informationen zu Aufgaben und Struktur, Geschichte und Bedeutung sowie zum Auswahlprozess der Akademie nachlesen.

Der KI-Modus, schreibt mein Kollege Jakob von Lindern, ist eine Art Erweiterung dieser Funktion. Nutzer können jetzt Rückfragen stellen. Wer nach kniffeligeren Themen sucht, dem soll die neue Funktion schnell und unkompliziert weiterhelfen, ohne sich dafür durch Linklisten klicken zu müssen. 

Der Rollout von Google fällt in die Woche, in der OpenAI während seiner Entwicklerkonferenz angekündigt hat, mit mehreren App-Anbietern kooperieren zu wollen, darunter dem Streaminganbieter Spotify, dem Designertool Canva und der Reiseplattform Booking.com. Das zeigt auch, wie hart der Konkurrenzkampf geworden ist, Nutzer in abgeschlossene KI-Ökosysteme zu locken, ohne dass sie diese wieder verlassen müssen, um Apps oder Webseiten aufzurufen.

In unserem Kurztest haben wir gefragt: "Wann wird der Effzeh wieder Meister?" Zurück kam ein Fließtext, in dem steht, dass es schwierig ist, "vorherzusehen, wann der 1. FC Köln wieder deutscher Fußballmeister wird", weil "die Meisterschaft in der Bundesliga ein komplexes Unterfangen" ist. Das ist zweifellos richtig. Geradezu empörend falsch hingegen ist, was der KI-Modus dann noch schreibt: Köln würde im Oktober 2025 in der 2. Bundesliga spielen. Wat sull dat denn, Google?

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