Amazon will 50 Milliarden in OpenAI stecken

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30. Januar 2026 Bernd Müller

Amazon-Logo an einem Bürogebäude.

(Bild: Skorzewiak / Shutterstock.com)

Amazon könnte beim ChatGPT-Entwickler einsteigen – und würde parallel auch dessen größten Konkurrenten Anthropic finanzieren.

Der Online-Handelsriese Amazon baut sein Geschäft im Bereich der Künstlichen Intelligenz weiter aus. Laut Medienberichten könnte das Unternehmen jetzt beim ChatGPT-Entwickler OpenAI einsteigen.

Das berichteten zumindest das Wall Street Journal (WSJ) und Bloomberg übereinstimmend. Demnach befinden sich beide Unternehmen in Verhandlungen über eine Kapitalspritze von bis zu 50 Milliarden US-Dollar.

Größte Finanzierungsrunde der KI-Geschichte

Hintergrund des Geschäfts ist die Suche von OpenAI nach frischem Kapital. Wie es in den Berichten heißt, könnte die aktuelle Finanzierungsrunde historische Dimensionen erreichen. Die Rede ist von 100 Milliarden US-Dollar, die akquiriert werden sollen.

Sollte dies von Erfolg gekrönt sein, könnte der Firmenwert von OpenAI auf bis zu 830 Milliarden US-Dollar steigen, was es zum wertvollsten Start-up weltweit machen würde.

Neben Amazon zeigt wohl auch der japanische Technologieinvestor SoftBank Interesse. Geprüft wird ein Investment von bis zu 30 Milliarden US-Dollar. Ferner sollen auch Gespräche mit dem Chipspezialisten Nvidia sowie mit Staatsfonds aus der Golfregion laufen, berichtet das WSJ.

Mehr als nur Geld: Cloud-Dienste und KI-Technologie im Paket

Die mögliche Vereinbarung umfasst weit mehr als eine klassische Finanzbeteiligung. OpenAI könnte künftig verstärkt auf die Cloud-Infrastruktur von Amazons Tochter AWS zurückgreifen.

Im Gegenzug würde Amazon Zugang zu den KI-Modellen erhalten, die ChatGPT antreiben. Diese Technologie ließe sich dann in Amazon-Produkte integrieren, und auch die Belegschaft des Konzerns könnte die Systeme für ihre tägliche Arbeit nutzen.

Bereits im vergangenen November sicherte sich OpenAI Rechenkapazitäten bei AWS im Wert von 38 Milliarden Dollar über mehrere Jahre, heißt es bei Bloomberg.

Warum OpenAI so viel Kapital verschlingt

Hinter dem enormen Kapitalbedarf steckt ein fundamentales Problem der KI-Branche: Das Training großer Sprachmodelle erfordert gewaltige Rechenressourcen und treibt die Kosten in astronomische Höhen.

Hinzu kommt ein erbitterter Wettbewerb um die klügsten Köpfe, der die Gehälter für Spitzenforscher nach oben treibt.

OpenAI verweist zwar auf mehr als 800 Millionen wöchentlich aktive Nutzer von ChatGPT. Doch Branchenbeobachter stellen seit Monaten die Frage, ob die gewaltigen Investitionen in KI-Infrastruktur jemals entsprechende Erträge abwerfen werden.

Amazon setzt auf zwei Pferde

Der mögliche Einstieg bei OpenAI wirft Fragen zur Strategie des Konzerns auf. Denn Amazon unterstützt seit Jahren auch den direkten Konkurrenten Anthropic, der mit seinem Chatbot Claude gegen ChatGPT antritt. Bis Ende 2024 flossen acht Milliarden Dollar in das Unternehmen.

Zusätzlich finanzierte Amazon einen Rechenzentrums-Komplex in Indiana für elf Milliarden Dollar.

Parallel zum verstärkten KI-Engagement streicht der Konzern in zwei Wellen rund 30.000 Stellen in der Verwaltung.

Weg an die Börse nimmt Konturen an

Neben der Kapitalrunde bereitet OpenAI offenbar einen Gang aufs Parkett vor. Das Unternehmen sondiert, so berichtet das Wall Street Journal, laut Insidern bei mehreren Wall-Street-Banken die Möglichkeiten für eine Aktienplatzierung und verstärkt sein Finanzteam.

Ein Börsengang würde, so die Vermutung, es OpenAI ermöglichen, das Vertrauen der Kapitalmärkte zu gewinnen – gerade angesichts der Zweifel, wie das Unternehmen die enormen Ausgaben für Chips und Rechenzentren langfristig stemmen will.

Nervöser Blick auf die Konkurrenz

In der OpenAI-Führungsetage wächst die Sorge, dass Anthropic beim Börsengang schneller sein könnte. Beide Unternehmen schreiben derzeit tiefrote Zahlen und verbrennen jährlich Milliarden.

Anthropic rechnet internen Unterlagen zufolge damit, 2028 erstmals schwarze Zahlen zu schreiben – zwei Jahre früher als OpenAI, wie es beim WSJ heißt.

Zusätzlichen Druck erzeugt Google, das im Wettbewerb um KI-Chatbots aufholt. OpenAI reagierte mit einer internen Sonderaktion zur Qualitätsverbesserung von ChatGPT.

Überschattet wird die Situation von einem Rechtsstreit mit Mitgründer Elon Musk, der Schadenersatz von bis zu 134 Milliarden Dollar fordert.

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