
Amazon hat sein Portfolio an hauseigenen Smart TVs überarbeitet. Zum neuen Line-up zählt auch eine neue Generation an Omni-QLED-Geräten. Amazon verspricht hier ein 60 Prozent helleres Display im Vergleich zum Vorgänger und hat die Anzahl der lokalen Dimming-Zonen fast verdoppelt. Nach eigenen Angaben habe man auch an der Performance geschraubt, um der Kiste mit Fire-TV-Oberfläche einen ordentlichen Leistungsschub zu geben.
Ich konnte mir ein Gerät der Omni-QLED-Reihe mit 65 Zoll (ca. 165 cm) genauer anschauen. Dieses ist auch ab 50 Zoll (ca. 127 cm) und bis in einer Größe von 75 Zoll (ca. 2 Meter) erhältlich. Jenes Modell ordnet sich – vor allem helligkeitstechnisch – etwas unter der Omni-Mini-LED-Serie ein, das hat Caschy euch vergangenen Sommer näher vorgestellt. Dazu sei zudem erwähnt, dass ich bislang mit einem OLED-Fernseher unterwegs war, wenngleich mein Modell nun etwas in die Jahre gekommen ist, sind die Panels für mich durchaus Benchmarks für die Nutzung im heimischen Wohnzimmer.
Vorneweg ein kurzer Blick aufs Datenblatt: Der TV verfügt über ein 65 Zoll (1,65 m) großes QLED-Display mit 4K-Auflösung und 60 Hz Bildwiederholrate. Für satte Kontraste und dunkle Schwarzwerte sollen neben den lokalen Dimming-Zonen (Amazon wirbt mit bis zu 208 Bereichen – je nach Panelgröße) die Unterstützung von Dolby Vision sowie HDR10(+ Adaptive) oder HLG sorgen. Neben den mitgelieferten Standfüßen kann man auf den VESA-Standard (300 x 300 mm) zur Wandbefestigung setzen.
Unter der Haube werkelt ein Quad-Core-Prozessor, welcher das System mit Fire TV anschiebt und Streaming-Apps wie Netflix, Prime Video, YouTube, Disney+, aber auch Apple TV beheimatet. Bespielen lässt sich der Fernseher darunter über vier HDMI-Eingänge (dreimal HDMI 2.0 und einmal HDMI 2.1 mit eARC) sowie eine AirPlay-Unterstützung.
Ansonsten? Wi-Fi 6 sowie auch Ethernet ist mit von der Partie. Die Farbtemperatur soll automatisch dank Omnisense-Technologie ans Raumlicht angepasst werden. Zudem wird erkannt, ob jemand den Raum betritt, und der TV wird eingeschaltet, um etwa Fotos oder Kunst anzuzeigen. Und vice versa beim Verlassen des Raums. Neu ist eine Funktion für interaktive Kunst, bei der sich das dargestellte Werk basierend auf Bewegungen im Raum verändert. Die Hands-free Alexa-Steuerung ist natürlich ebenfalls wieder an Bord.
Ausgepackt und angeschaut
Auf die Waage bringt das mir vorliegende Modell mit seinen 144,5 cm x 91,7 cm x 34,5 cm knapp 18 Kilogramm. Entsprechend wenig problematisch ist es, den 65-Zoll-Boliden zu zweit aufzustellen. Die Standfüße aus Metall sind schnell montiert und schon kann es losgehen. Alternativ ist auch eine Wandmontage möglich. Amazon setzt viel und dezent auf Kunststoff. Meine Sonos Arc passt exakt zwischen die Standfüße. Die Verarbeitung ist solide. Die Rückseite wirkt dabei aber nicht ansatzweise so flach und hochwertig wie bei meinem in die Jahre gekommenen OLED-Modell.

Die Einrichtung von Fire OS ist simpel und flott erledigt. Den TV musste ich aber per Fernbedienung ins heimische Wi-Fi bringen, da hatte das Scannen des QR-Codes mit der Fire-TV-App nicht ganz so seinen Zweck vollbracht. Aber auch so ist das Prozedere intuitiv zu erledigen und man kann im Rahmen des Onboarding-Prozesses auch gleich die wichtigsten (Streaming-) Apps installieren.
Bild, Ton & weitere Eindrücke
Das verbaute Panel im Amazon Omni QLED des aktuellen Modelljahres ist gut und liefert in meinen Augen ein ordentliches Bild. Farben und die Kontraste sind knackig – im Standard aber teils etwas übersättigt – da muss man eben nach eigenem Gusto manuell ran. Positiv hervorzuheben ist, dass man neben Dolby Vision (was die meisten Inhalte abdecken dürfte) aber auch HDR10+ unterstützt – man steht also quasi nie (ganz unabhängig von App und Zuspieler) ohne HDR-Inhalte da.
Die Dimming-Zonen helfen etwas bei HDR-Inhalten und funktionieren dahingehend ordentlich, dass ich die schwarzen Ränder oben und unten bei Filmen in 21:9 nicht als störend wahrgenommen habe. Schwarzwerte und Kontraste sind bei einem OLED-Panel, die es in dieser Preiskategorie ebenfalls in guten Angeboten gibt, aber schlicht eine andere Hausnummer. Das Panel ist ausreichend hell, auch wenn etwas Tageslicht vorhanden ist. Dennoch ist da reichlich Luft nach oben, wenn man es mit Panels aus Flaggschiff-Modellen vergleicht.
Bei vollständiger Sonneneinstrahlung macht das dann aber weniger Spaß und das volle Potenzial schöpft man eben in einem abgedunkelten Raum aus. Das Panel ist etwas entspiegelt. Manchmal vermisse ich etwas an Schärfe (vor allem bei der Anzeige von Schriften).

Amazon bietet zahlreiche Einstellungsmöglichkeiten, was Bild und Ton angeht. So kann man den Filmmaker-Modus wählen und auf Wunsch das Bild auch per Umgebungslichtsensor automatisch regulieren. Hier empfiehlt es sich aber eher automatische Optionen zu deaktivieren und bei Bedarf manuell nachzujustieren.
Das Display setzt nur auf eine Bildwiederholrate von 60 Hz. Den klassischen Streamer oder TV-Gucker dürfte das wohl kaum tangieren, für Gamer ist das Modell aber schlicht nichts. Auch bei den Eingängen gibt es nur einmal HDMI 2.1, während die übrigen Eingänge auf HDMI 2.0 setzen. Wer eine Soundbar verwendet, der wird den HDMI 2.1-Eingang mit eARC entsprechend bereits anderweitig verplanen. Andere Geräte kommen also nicht in den Genuss von HDMI-2.1-Funktionen, etwa Quick Media Switching (QMS), wobei man ohnehin infrage stellen kann, ob HDMI 1 hier mit allen 2.1-Spezifikationen ausgestattet ist.

Etwas fragwürdig finde ich die Wahl der Kunststofffernbedienung, die recht ähnlich wie bei einem Fire-TV-Stick ausfällt. Da liegen andere Remotes wertiger in der Hand. Es gibt zudem nicht die Möglichkeit, hier mit einer Taste durch die HDMI-Eingänge zu schalten – wer möchte, kann das aber per Alexa-Sprachbefehl erledigen. Wohl aber können, durch ein langes Drücken auf die Home-Taste, auch bei externen Zuspielern schnell die Bildeinstellungen vorgenommen werden. Zudem profitiert man dank CEC vom Wechseln des Eingangs und kann auch andere Geräte dann mit der einen Fernbedienung steuern, wenn man das wirklich möchte.

Das eingebaute Soundsystem ist etwas flach und wenig voluminös. Als störend empfinde ich zudem, dass der Ton nach hinten „abstrahlt“ und hallig wirkt. Es fehlt vorrangig an Tiefen und mir sind es auch zu wenig Höhen. Für Personen, die sich da eine Kiste ins Wohnzimmer stellen, um lineares Fernsehen abzufeuern, sicherlich ausreichend. Wer sich da aber den einen oder anderen Blockbuster reinzieht, und das geben Panel und Bildgröße durchaus her, der kommt um externen Sound nicht drumherum.
In meinem Fall konnte ich per Passthrough von Apple TV & Co dann auch prima ein Dolby-Atmos-Signal für den Ton bekommen. Etwas nervig und verzögert war es aber, die Lautstärke mit der Fire-TV-Remote zu steuern: Das war sehr latenzbehaftet – und wir reden da wirklich von Sekunden bis die finale Lautstärke nach einigen Tastendrücken zurückgemeldet wurde. Alternativ gibt es ja auch immer die Möglichkeit der Anbindung von Echo-Lautsprechern, da man ja auf Fire TV setzt, spielt das kabellos zusammen.

Fire OS: Flüssige Performance mit Werbeunterbrechungen

Die Oberfläche unterscheidet sich kaum von einem Fire TV. Es gibt eben mehr Einstellungsmöglichkeiten rund um Bild und Ton, die man von klassischen Fernsehgeräten kennt. Im Zusammenspiel mit dem verbauten Prozessor ist das Navigieren durch die Oberfläche flüssig und meist reagiert alles auch flott. Wünschenswert wäre natürlich auch, dass die Performance über die Jahre hinweg nicht leidet, und weiter ausreicht.
Wie bei der dedizierten Fire-TV-Hardware ist aber einiges mit großen Werbebannern durchzogen. Wer auf einen externen Zuspieler setzt, der kommt an der Fire-TV-Oberfläche nahezu gänzlich vorbei, denn man kann in den Einstellungen auf den zuletzt genutzten Eingang beim Einschalten festlegen.

Was Amazon bei Fire TV OS da wirklich nett macht: Die Integration und Vereinheitlichung von IPTV – auch mit verschiedenen TV-Streamingdiensten im Hintergrund. Dank Amazon Luna sowie GeForce Now ist auch Game Streaming möglich.

Amazon unterstützt dank eingebautem Mikrofon freihändige Alexa-Sprachbefehle. Das ist aber eine optionale Angelegenheit. Er fungiert quasi (optional) als zusätzlicher Amazon Echo. Für Befehle, etwa dem Lichtschalten im Wohnzimmer, bleibt der TV auch aus und es gibt dennoch akustisches Feedback. Das hat man prima gelöst. Beim Starten von Musik aber etwa wird auch der TV mit eingeschaltet, wenngleich das, für die meisten sicherlich wenig Mehrwert hat, dann eine Anzeige von Titel und/oder Musikvideo beim Musikhören zu haben. Es gibt an der Unterseite auch eine physische Abschaltmöglichkeit für das Mikrofon. Ansonsten? Der Fire TV kann direkt in Alexa-Routinen eingebunden und damit in Smart-Home-Automationen integriert werden.

Netflix

Einstellungen

Live TV per IPTV

Bildeinstellungen
Features wie das angepriesene Ambient TV und Widgets, quasi eine Smart-Display-Funktionalität wie beim Echo Show, fanden bei mir keinen Anklang. Das halte ich auf 65 Zoll auch nicht unbedingt für eine sinnvolle Angelegenheit. Auch muss für mich so ein Gerät nicht dauerhaft laufen, wenn jemand anwesend ist.

Mit dabei ist zudem die Unterstützung von AirPlay 2 und HomeKit. Damit kann man einerseits Inhalte von iPhone, iPad und Mac direkt auf den TV übertragen oder deren Bildschirm spiegeln. Direkt nach dem Auspacken funktionierte das bei mir nicht. Durchwühlt man das Netz, dann ist das wohl seit Jahren immer wieder ein Thema mit Fire-TV-Geräten. Nach einigen Tagen Nutzung hat sich das dann automatisch berappelt. Fehlerdiagnose? Unbekannt. Durch die Anbindung an Apple Home kann man auch mit Siri auf den Fernseher steuernd zugreifen. Auch über die Apple-Home-App kann man ein- und ausschalten sowie die Eingänge wechseln und das Gerät in Automationen einbauen (z. B. ausschalten, wenn alle das Zuhause verlassen). Für Android-Nutzer unterstützt man Miracast zum Bildschirm spiegeln, das ist dann aber nur auf Zuruf aktiv.

Unterm Strich?
Die Kiste macht durchaus Laune, wenn auch mit den beschriebenen Schwächen. Einige der von mir genannten Kritikpunkte sind sicherlich sehr subjektiv und rühren daher, dass ich ansonsten bislang auf ein OLED-Panel als Referenz setzte. Auch wird sich sicherlich nicht jeder am Ausspielen von Werbung in der Fire-TV-Oberfläche stören. Insbesondere, wer von einem Fire TV als Zuspieler kommt, wird da keine Unterschiede wahrnehmen. Ich greife dennoch – und das betrifft andere TV-Hersteller mindestens inzwischen ebenso – gerne auf externe Zuspieler zurück.
Zum Vorbesteller-Preis von 749 Euro (65 Zoll Modell) kann man mit dem Gerät sicherlich nicht allzu viel falsch machen, wenngleich es auch in diesem umkämpften Preis-Segment durchaus Konkurrenz gibt. Zum jetzigen Preis von 1149 Euro (65 Zoll) bzw. 1449 Euro (75 Zoll) würde ich das Gerät aber nicht empfehlen. Das ist schlicht zu teuer. Da sollte man lieber wieder die Augen nach entsprechenden Angeboten offenhalten. Ansonsten kann man in der für den UVP in dieser Preiskategorie mit wenig Aufpreis bei guten Rabattaktionen schon fast zum Flaggschiff-Modell mit OLED-Panel greifen – ebenfalls in 65 Zoll wohlgemerkt. Dann aber zudem auch mit HDMI 2.1, mindestens 120 Hz Panel und weiteren Spielereien.
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