28. November 2025 Marcel Kunzmann
Alibaba will mit einer agentischen KI an die Weltspitze bei Endverbrauchern
(Bild: Tada Images/Shutterstock.com)
Alibaba startet KI-App Qwen als Konkurrenz zu ChatGPT. Die kostenlose "Alles-App" soll die KI-Ära prägen. Doch kann sie wirklich zum Game-Changer werden?
Alibaba Group Holding hat vergangene Woche offiziell seine neue KI-Verbraucheranwendung Qwen gestartet, die als direkter Konkurrent zu Tencents WeChat und OpenAIs ChatGPT positioniert wird. Die App, die sich noch in der Beta-Phase befindet, wurde bereits innerhalb der ersten Woche mehr als zehn Millionen Mal heruntergeladen.
Die Qwen-App welche sich auf das gleichnamige KI-Modell der Firma stützt, ist nicht nur ein Chatbot, sondern wurde als "Alles-App" konzipiert, die persönliche und berufliche Aufgaben wie Recherche und Bildgenerierung übernimmt. Anders als konkurrierende Chatbots ist Qwen kostenlos verfügbar und in Alibabas umfassendes Ökosystem aus Bezahldiensten, Karten und Shopping-Services integriert.
"Durch die Nutzung des Nutzerverständnisses kann die App Gespräche schnell in Geschäftstransaktionen umwandeln", erklärte Poe Zhao, Gründer des Newsletters "Hello China Tech". Falls Alibaba dies richtig umsetze, könne das Unternehmen den Standard für agentenbasierte KI in Verbraucheranwendungen setzen – nicht nur in China, sondern weltweit.
Panik im Silicon Valley?
Wie die South China Morning Post berichtet, sorgte der Start von Qwen in westlichen Tech-Kreisen für Aufmerksamkeit. Marketing-Spezialistin Tulsi Soni sagte: "Das Silicon Valley will es nicht zugeben, aber die Symptome sind offensichtlich: Wir erleben eine ausgewachsene Qwen-Panik."
Alibaba verfolgt mit Qwen eine Ökosystem-Strategie. Da die App in das bestehende Dienstleistungsnetz des Unternehmens eingebunden ist, verstehen die Systeme bereits die Präferenzen neuer Nutzer basierend auf deren Verhalten auf anderen Alibaba-Plattformen, wie Zhao erläuterte.
Während WeChat das mobile Internet-Zeitalter in China prägte, setzt Alibaba darauf, dass Qwen die KI-Ära definieren wird. Das Unternehmen plant, später eine internationale Version der App zu veröffentlichen.
Parallel dazu stellte Ant Group, Alibabas Fintech-Tochter, das Tool LingGuang vor, das gewöhnlichen Nutzern ermöglicht, einfache "Flash-Apps" wie Kalorienzähler oder Spiele mittels natürlicher Spracheingaben zu erstellen – teilweise in nur 30 Sekunden.
"LingGuang bringt jedem Nutzer seinen eigenen persönlichen KI-Entwickler: jemanden, der programmieren, Grafiken erstellen, Apps bauen und komplexe Ideen in einfache Lösungen umwandeln kann - direkt in der Hosentasche", sagte He Zhengyu, Technologie-Chef von Ant Group.
KI wird zum Umsatztreiber
Während die Entwicklung von KI extrem kostspielig sein kann, wird die Technologie zunehmend zur Umsatzquelle für chinesische Unternehmen mit praktischen Anwendungen. Während des diesjährigen Singles' Day-Shopping-Festivals waren KI-Tools die stillen Arbeitspferde.
Alibabas "KI-Geschäftsberater" generierte über fünf Millionen Berichte für Händler. JD.com gab an, dass Automatisierung und KI-Technologien es ermöglichten, 95 Prozent der Einzelhandelsbestellungen innerhalb von 24 Stunden abzuwickeln.
Die Regulierungsbehörden beobachten die Entwicklung aufmerksam. Chinas Marktregulator veröffentlichte diese Woche Richtlinienentwürfe, um zu verhindern, dass Algorithmen Preise manipulieren oder Monopole schaffen.
Chinas Rückstand bei Grundlagenforschung
Während China bei Anwendungen dominiert, hat sich eine Lücke bei den grundlegenden Fähigkeiten aufgetan. Jüngst veröffentlichte Google Gemini 3 Pro, das OpenAIs GPT-5.1 überholte und den Spitzenplatz in Artificial Analysis' Intelligence Index eroberte.
Googles neueste Veröffentlichung verdrängte auch Chinas leistungsstärkstes Modell, Moonshot AIs Kimi K2 Thinking, auf den vierten Platz. Dies wirft Fragen auf, ob chinesische Entwickler mit US-"Hyperskalierern" wie Google mithalten können, die massive Vorteile bei Chips und Cloud-Infrastruktur haben.
Eine anonyme Führungskraft eines führenden chinesischen KI-Start-ups gab gegenüber der SCMP eine unverblümte Einschätzung der Lage: "Aus meiner Sicht werden wir wahrscheinlich das Spiel verlieren."
Da der Zugang zu fortgeschrittenen Nvidia-Chips weiterhin eingeschränkt ist, versammelten sich Chinas Branchenführer jüngst in Shanghai, um die Zukunft des Hardware-Kampfes zu diskutieren. Der Konsens: Es braucht eingroßangelegtenten Einsatz von RISC-V, eine Open-Source-Mikroprozessorarchitektur, wenn China im Spiel bleiben will. Experten prognostizieren, dass RISC-V-Chips, die für ihre Energieeffizienz geschätzt werden, innerhalb von drei bis fünf Jahren zum Mainstream für KI-Arbeitslasten werden.



