Brüssel, 15.10.2025
Boris Pistorius, Verteidigungsminister
»In den kommenden Jahren wird Deutschland zehn Milliarden für Drohnen aller Art, aller Höhen, Angriffs- und Verteidigungsdrohnen investieren.«
Deutschland will damit die Führungsrolle beim europäischen Luftverteidigungsschild übernehmen. Ein Plan, der mit einem von der EU geplanten sogenannten »Drohnenwall« einhergehen dürfte. Dieser ist seit einiger Zeit in aller Munde.
Brüssel, 10.09.2025
Mark Rutte, Nato-Generalsekretär
»Vergangene Nacht haben zahlreiche Drohnen aus Russland den polnischen Luftraum verletzt.«
Wyryki, Polen
Mindestens 19 unbemannte russische Flugkörper in Polens Luftraum – diesmal verlief alles glimpflich. Doch das westliche Bündnis ist alarmiert.
Helsinki, 25.09.2025
Andrius Kubilius, EU-Verteidungskommissar
»Russland stellt die EU und die Nato auf die Probe. Unsere Reaktion muss entschlossen, geschlossen und unverzüglich sein.«
Für den »Drohnenwall« haben sich bereits mehrere europäische Regierungschefs ausgesprochen. Es geht um die Verteidigung der Nato-Ostflanke von Finnland bis Rumänien – Details des geplanten Großprojekts: noch unklar.
London
Robert Tollast, Royal United Service Institute
»Es geht darum, alle Luftverteidigungsressourcen zu integrieren, damit sie rund um die Uhr zusammenarbeiten können, von Bodenradaren über Kampfflugzeuge, kostengünstige Abfangdrohnen und Raketen bis hin zu allen Möglichkeiten der elektronischen Kriegsführung, um diese Drohnen zu stören.
Drohnen prägen die Kriegsführung des 21. Jahrhunderts – das stellt der Krieg in der Ukraine mehr als eindrücklich unter Beweis. Russlands Angriffskrieg hat die Ukraine notgedrungen zu Experten auf dem Gebiet gemacht – Expertise, die künftig mehr als gefragt sein wird.
Robert Tollast, Royal United Service Institute
»In der Ukraine können wir GPS-Störsignale testen, wir können unsere Ausrüstung unter sehr schwierigen realen Bedingungen auf eine Weise testen, wie es anderswo in Europa einfach nicht möglich wäre. ..Denn letztlich versteht man erst dann, wie eine neue Technologie funktioniert, wenn sie in einer realen Kampfsituation eingesetzt wird.«
Auch in Deutschland wittert die Rüstungsindustrie ihre Chance, Verteidigungs-Startups wie Tytan oder Helsing kooperieren bereits mit der Bundeswehr.
Gundbert Scherf, Gründer »Helsing«
»Persönlich denke ich, dass dieses Problem der Luftverteidigung und die Rolle, die Helsing dabei spielen könnte, letztlich nicht mit einem einzelnen Produkt gelöst werden kann, sondern dass ein System von Systemen erforderlich ist. Luftverteidigung ist ein komplexes Problem.«
Max Enders, Drohnen-Startup »Tytan«
»Für eine effektive Luftverteidigung braucht man immer drei Komponenten: Man braucht ein Sensornetzwerk, man braucht eine C2-Software – also eine Kommando- und Kontrollsoftware, die menschliche Entscheidungen ermöglicht – und man braucht verschiedene Effektoren. Einfach eine Million Drohnen zu produzieren und sie an der Ostflanke zu stationieren, wird das Problem nicht lösen.«
Geplant ist ein digital vernetztes Verteidigungssystem, das Luftschutz mit Grenzschutztechnologien kombiniert. Ein KI-gesteuertes Abwehrsystem soll her, der politische Beschluss steht immerhin. Technisch umgesetzt sollen erste einsatzbereite Abschnitte dann frühestens Ende 2026.



